Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

Die Sichtbarkeit im Stream, oder: ist Timing alles?

Posted: September 18th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Social Media | 9 Comments »

Vor ein paar Tagen bin ich über dieses Chart hier gestolpert, welches aufzeigt, welche Tools in 2009 dazu verwendet werden, um Informationen mit den eigenen Kontakten zu teilen. Diese Statistik wurde von Diensten erhoben, die sogenannte Social Bookmarking Widgets anbieten. Über dieses Widgets stolpert man recht häufig auf Webseiten, da sie es vereinfachen sollen Content in die weite Welt zu verbreiten.

Interessant ist für mich hier zu sehen, wie sehr die klassischen Social Bookmarking Dienste wie z.B. del.icio.us zurückgefallen sind und wie sehr das Feld von den beiden Stream basierten Diensten Twitter und Facebook dominiert wird. Diese beiden kommen zusammen auf über 40%.

Für mich bedeutet dies natürlich auch, dass – neben der Empfehlung per Email – vor allem Stream basierte Dienste für die Internet Nutzer immer mehr zu DER Quelle werden, über die sie Empfehlungen von Freunden beziehen und wo sie Hinweise zu interessanten Angeboten im Web erwarten.

Ein Unternehmen was Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte und ein Interesse daran hat, Teil dieser organischen Empfehlungen zu werden, fragt sich natürlich, wie es das optimal tun kann?

Streams sind Real-Time und fliessen

Das Problem was sich hier in diesem Kontext stellt ist, wieviel ein Nutzer von dem überhaupt noch mitbekommt was durch seinen Stream läuft. Steve Rubel hat mal die Aussage geprägt, dass er nicht mehr die News finden muss, sondern die relevanten News finden jetzt den Weg zu ihm. Nämlich genau über diese Streams. Was ich auch nur unterstützen kann!

Mein soziales Netzwerk ist für mich ein enorm wichtiger Filter geworden und ich habe diesen sogar extra so strukturiert, dass ich möglichst sicherstelle, dass mich die relevantesten Inhalte jeden Tag im Stream erreichen, sprich für mich Sichtbar bleiben.

Denn – um so mehr Leuten man z.B. auf Twitter folgt, oder um so mehr Freunde man auf Facebook hat, und um so aktiver diese Inhalte darüber verbreiten, um so schneller fliesst der Strom und um so schneller fliessen auch ggf. interessante Inhalte an mir vorbei.

Ist es eine Frage des Timings?

In letzter Zeit gab es immer mal wieder Blog-Artikel zu der Frage: zu welcher Tageszeit kann ich die meisten Re-Tweets erzeugen? Das bedeutet: zu welcher Tageszeit bekomme ich die bestmögliche Sichtbarkeit in diesem Stream und zu welcher Tageszeit werden meine Leser auch am ehesten bereit sein mit diesen Inhalten zu interagieren, um z.B. Inhalte per Re-Tweet weiterzuverbreiten oder um z.B. eine Konversation zu starten.

Die Antwort lautet statistisch gesehen: um 17 und 22 Uhr.

Das zieht sich nicht nur durch viele Blog-Artikel, sondern ist auch schon mehrfach nachgewiesen worden. Ich bin auch zuletzt erst bei dem Vortrag von Hubermann wieder über diese Zahlen gestossen, als er ein Chart präsentierte, wann auf Facebook die höchste Aktivität festzustellen ist. Zahlen die er über Jahre erhoben hat. Auch hier: gegen 17 und 22 Uhr.

Ich glaube aber, dass man sich in jedem Fall unabhängig von diesen statistisch erhobenen Zahlen Gedanken darüber machen sollte, inwiefern das auf die eigene Zielgruppe eigentlich zutrifft, bzw. wie wichtig diese statistisch ermittelten Uhrzeiten für diese wirklich sind.

Ich denke Timing ist nicht alles!

Meine eigenen Erfahrungen mit diesen Uhrzeiten sind witziger Weise eine andere. Meine Peer-Group ist eher von dem Charakter, dass sie morgens den Tag damit beginnt zu scannen, was relevantes passiert ist und dabei auch schon ihre Aufmerksamkeit auf ihre Streams richtet, um zu sehen welche Nachrichten sich bereits am Vormittag anfangen zu verbreiten. Ich persönlich erziele daher in der Regel mehr Aufmerksam am Morgen/Vormittag als am späten Nachmittag oder Abend.

Darüber hinaus bin ich noch ein ganz anderer Sonderfall, da mein Netzwerk an Leuten extrem aktiv im Netz ist und überdurchschnittlich viele Informationen versucht zu konsumieren.

Wenn ich jetzt aber aus Sicht eines Unternehmens versuche zu denken, was eher den statistisch durchschnittlichen Internet-User adressieren möchte – sprich: die große Masse – dann relativiert sich aus meiner Sicht die Bedeutung des Timing enorm und ich denke man sollte sich dadurch nicht verrückt machen lassen und sich eher auf andere Dinge konzentrieren.

Ein paar Zahlen anhand von Facebook

Der durchschnittliche Facebook Nutzer hat 120 Freunde. Er loggt sich jeden zweiten Tag im Schnitt ein und verändert im Schnitt 0,28 mal am Tag seinen Status. (Hier mehr dazu) Das sind am Tag im Schnitt 33 Status Updates. Hinzu kommen natürlich noch andere Aktivitäten wie das Verbreiten von Links etc.

Ich denke in Summe kann man aber erstmal festhalten, dass bei dem durchschnittlichen Nutzer die Bedeutung des Zeitpunktes tendenziell abnimmt, da er in Summe weniger in seinem Stream hat und auch vermutlich wesentlich einfacher nochmal in seinem Stream zurückblättern kann, um auf ein bis zwei Seiten zu sehen, was die letzten 1-2 Tage über passiert ist.

Weiter ausgehend von dem Facebook Beispiel: Wenn man als Unternehmen z.B. eine Facebook Page betreibt, die darüber selbst in die Streams ihrer Fans publizieren kann, ist die Chance wesentlicher höher (als in meinem persönlichen Fall), dass diese Inhalte auch wirklich gelesen und gefunden werden – relativ unabhängig von der Uhrzeit zu der man das tut – da in Summe einfach weniger Items durch den Stream der Nutzer fliessen.

Auf das Wesentliche konzentrieren: die Qualität

Auch wenn sicherlich das eine das andere nicht ausschliesst, kann man an der Stelle einfach nur nochmal sagen, dass das Wichtigste wirklich ein konstantes und qualitativ hochwertiges Signal ist, was man als Unternehmen in diesem Stream sendet. Inhalte die für die eigene Gruppe relevant sind, Inhalte die zum Interagieren einladen, Inhalte die Diskussionen anregen, Inhalte die Mehrwert für den Leser erzeugen.

Um es wieder mit Steve Rubel zu sagen: die wirklich guten und relevanten Inhalte, die Sie als Unternehmen senden, werden schon den Weg zu Ihren Kunden finden! Konzentrieren Sie sich daher vor allem auf die Qualität. Timing ist nicht immer alles, auch wenn die Bedeutung sicherlich in Zeiten des Real-Tim Web zunehmen mag.



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9 Comments on “Die Sichtbarkeit im Stream, oder: ist Timing alles?”

  1. 1 Sebastian Küpers said at 9:39 am on September 18th, 2009:

    Es gibt noch mehr Charts und Untersuchungen zu dieser Entwicklung im Sharing über die letzten Jahre. del.icio.us war 2007 noch auf Platz 2 in diesem Ranking ;) Und wenn ich an Mister-Wong in Deutschland denke, hat das sicherlich schon den Bereich der Nerds und Geeks verlassen :)

  2. 2 Tim Keil said at 9:34 am on September 18th, 2009:

    del.icio.us war doch eigentlich immer eher für nerds bzw. die persönliche online-bookmark verwaltung. wundert mich nicht so sehr, dass facebook und twitter beliebtere kanäle zum "sharen" sind. ich share bei del.icio.us auch nicht sonderlich viel.

  3. 3 Sebastian Küpers said at 9:38 am on September 18th, 2009:

    Es gibt noch mehr Charts und Untersuchunge zu dieser Entwicklung im Sharing über die letzten Jahre. del.icio.us war 2007 noch auf Platz 2 in diesem Ranking ;)

  4. 4 Sebastian Keil said at 10:27 am on September 18th, 2009:

    Höchstspannend. Wobei die Entscheidung wohin man "shared" bei mir durchaus auch davon abhängt, wie der Link später erreichbar bzw. findbar ist (tags etc.).

  5. 5 Sebastian Küpers said at 10:30 am on September 18th, 2009:

    Ja bzw. ob man nur teilen, nur speichern oder beides will ;) Ich hab auch gerade erst wieder damit angefangen del.icio.us witziger Weise mehr zu nutzen, da ich schon immer noch die Angst habe, dass ich Sachen einfach nicht wiederfinde, auch wenn ich z.B. bei Twitter favorisiert habe.

  6. 6 Jan Filter said at 7:06 pm on September 18th, 2009:

    Mich wundert, dass Instant Messaging so gut wie nicht vor kommt. Ich verschicke so gut wie nie Links per Mail – ist dafür eigentlich auch viel zu umständlich. Aber über ICQ oder Jabber häufiger mal – ich sehe da oben aber nur 0,5% Yahoo Messenger (der jawohl, wenn mich nicht alles täuscht, nicht besonders verbreitet ist)

  7. 7 Sebastian Küpers said at 9:51 am on September 19th, 2009:

    Das ICQ in diesem Chart nicht vorkommt, dürfte daran liegen, wie die Zahlen erhoben worden sind. Das Ganze wurde ja von diesem Widget Anbieter gemacht. Ich denke ein direktes Sharing in Richtung ICQ wird von denen einfach nicht unterstützt.

    Hatte deshalb auch extra am Anfang darauf hingewiesen woher die Zahlen kommen. Also 100%ig repräsentativ sind die Zahlen auf jedenfall nicht. Kann mir durchaus vorstellen, dass Instant Messaging eine grössere Rolle spielt, als man hier jetzt sieht.

    Wobei IM halt nicht gut funktioniert, wenn man Inhalte mit einer Gruppe von Leuten teilen möchte.

  8. 8 Social Media mit oder ohne Management? « kadekmedien’s Blog said at 6:12 am on September 21st, 2009:

    [...] zunächst einmal unerheblich. Sicherlich wird es sich um einen Mix aus beidem handeln. Wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die [...]

  9. 9 Future of Web Strategy » Blog Archive » Content Distribution mit Facebook Connect said at 10:24 am on October 9th, 2009:

    [...] Vorweg sei gesagt, dass Facebook mittlerweile die Nase ganz weit vorne hat, wenn es darum geht wie Nutzer Inhalte im Netz verbreiten. Laut einer Statistik von addtoany – einem Widget was man häufig auf Webseiten sieht, um Inhalte mit Freunden zu teilen – liegt Facebook weltweit auf Platz 1. mit 29,4% noch immer weit vor Twitter. (Lesen sei dazu auch: Die Sichtbarkeit im Stream, oder: ist Timing alles?) [...]


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