Werden Location-Based Services größer als Twitter?
Posted: September 21st, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Location-Based, Mobile, Twitter | 8 Comments »Robert Scoble hat sich dieses Wochenende vorgewagt und prognostiziert, dass der neue Location-Based Service Foursquare eines Tages größer als Twitter werden wird. Warum denkt Scoble das?
- im Moment ist die gleiche Gruppe von Early-Adoptern dabei intensiv mit Foursquare zu spielen, die auch 2006 Twitter intensiv angefangen hat zu nutzen
- interessanter Weise ist Foursquare von dem gleichen VC finanziert, der auch sehr früh in Twitter investiert hat (Union Square)
- da Foursquare einen besseren Ansatz für Unternehmen bieten kann mit Kunden in Kontakt zu kommen
- das Foursquare ein interessantes Anreizsystem hat und eher wie ein Spiel funktioniert
Während ich die ersten beiden Gründe nicht überbewerten würde, sind Punkt drei und vier es wert näher betrachtet zu werden. Was steckt hinter Foursquare und was macht es so besonders?
Allerdings möchte ich auch schon vorweg nehmen, dass ich mit Robert Scoble nicht einer Meinung bin und dass die Überschrift dieses Artikels eher in die Irre führt. Denn Twitter selbst wird zukünftig location-based!
Was macht Foursquare?
Ich habe Foursquare bereits in meinem persönlichen Podcast drüben im Repository kurz erklärt, möchte hier aber noch einmal in Schriftform darauf eingehen. Foursquare findet vor allem auf dem Telefon statt. Es gibt Applikationen für das iPhone, Android Geräte und Blackberrys.
Man kann mit diesen Applikationen unterwegs an Orten einchecken und somit seinen Freunden mitteilen, wo man sich gerade aufhält. (was im übrigen auch sehr schön in Kombination mit Twitter und Facebook möglich ist) Wenn man sich an einem Ort eincheckt, kann man folgendes sehen:
- sind Freunde von mir in der Nähe?
- was haben Freunde von mir hier gemacht?
Letzteres basiert darauf, dass man an jedem Ort Tipps hinterlassen kann, was man dort unbedingt mal ausprobieren sollte. (z.B. ein bestimmtes Gericht in einem Restaurant bestellen) Dieses Feature finde ich bereits sehr spannend und nützlich, da es im Vergleich zu Diensten wie Qype oder Yelp wesentlich näher an mir dran ist und ich so Zugriff auf Empfehlungen von meinen Freunden in Abhängikeit von meinem Standort bekomme.
Der wirklich Clou von Foursquare liegt aber in seinem Incentivierungsmodell. Foursquare ist mehr ein Spiel, als ein reines Tool!
Man kann auf Foursquare Punkte sammeln, in dem man sehr aktiv ist. Man bekommt Punkte für das Einchecken an Orten, für das Hochladen von Fotos, für das Erstellen von Empfehlungen usw. – mit diesen Punkten wiederum werden gewisse Belohnungen wie z.B. besondere Badges freigeschaltet. (siehe Bild rechts, was Badges auf dem iPhone zeigt)
Letzten Endes basiert Foursquare damit auf einem ähnlichen Anreizsystem wie z.B. diverse Browserspiele – und dieses System funktioniert offensichtlich sehr sehr gut und steckt einen als Nutzer förmlich an
Spannend wurde es jetzt an dem Punkt, als die ersten Unternehmen angefangen haben foursquare Nutzern, die besonders häufig bei Ihnen einchecken, besondere Angebote zu machen. (siehe Bild links) Hier wird also Nutzer auf Basis ihres aktuellen Standortes und ihrer Aktivität direkt und individuell von Unternehmen angesprochen.
Man beachte an dem Beispiel auf dem Bild, dass sich die Person im “Blue Bottle Cafè” gerade befindet und der Laden “Show Dogs”, der lediglich in der Nähe ist, den Nutzer mit einem Rabatt umwirbt!
Damit wird jetzt auch bereits deutlich, für welche Art von Unternehmen diese Dienste interessant werden könnten: nämlich für all diejenigen die man zumindest real aufsuchen kann. Ich würde hier aber bereits heute weiter als nur in Richtung Einzelhandel und Gastronomie denken!
Worin besteht die Ähnlichkeit zu Twitter?
Um zu der Ausgangsbehauptung von Rober Scoble zurückzukehren: Inwiefern kann man diesen Dienst überhaupt mit Twitter vergleichen? Foursquare bildet einige Anwendungsszenarien ab, die sich heute bereits sehr häufig auf Twitter wiederfinden lassen:
- Angaben über den aktuellen Aufenthaltsort machen
- Aussprechen einer lokalen Empfehlung
- Freunde unterwegs treffen und sich verabreden
Um dies zu verdeutlichen habe ich an dieser Stelle mal drei Beispiele rausgesucht:



Somit sehe ich auf jedenfall ein großes Potential darin, dass solche Dienste rasant wachsen werden, da sie diese durchaus beliebten Anwendungsszenarien viel besser strukturieren und damit besser nutzbar machen können als Twitter in seiner jetzigen Form. Spannend wäre zu untersuchen, wieviele Tweets prozentual gesehen bereits einen lokalen Bezug aufweisen!
Wichtig sei an dieser Stelle anzumerken, dass natürlich auch Twitter bereits auf die wachsende Bedeutung der “Location-Awareness” gestossen ist, und erst im August angekündigt hat über die API das Hinzufügen von Longitude und Latitude zu einzelnen Tweets (und nicht dem gesamten Profil, wie bisher) zu ermöglichen. Das würde es Entwicklern zumindest ermöglichen neue Interfaces zur Verfügung zu stellen, die den eigenen Aufenthaltsort als Filter für Tweets benutzen.
Ich bin mir sicher, dass Foursquare einer dieser Entwickler sein wird, aber auch z.B. die bekannten Twitter iPhones Apps, dieses neue Feature unterstützen werden, da es für den Anwender von großem Nutzen sein kann. (z.B. bei einem Event nur die Tweets anzuzeigen, die gerade im Umkreis von 50 Metern gesendet werden.)
Und damit wären wir an dem Punkt, den ich am Anfang bereits erwähnt habe: Twitter selbst wird in Zukunft location-based funktionieren!
Wird foursquare eines Tages größer als Twitter?
Die Prognose die Robert Scoble in seinem Blog-Post abgegeben hat, finde ich zugegebener Maßen ziemlich gewagt, auch wenn er sicherlich damit richtig liegt, dass die Bedeutung von Location-Based Services enorm zunehmen wird.
In Summe ist völlig klar, dass wir in Zukunft mehr Filter brauchen werden, die uns verschiedene Ansichten auf Daten geben, die durch den Real-Time-Stream im Netz fliessen.
Ein wichtiger Filter ist dabei bereits unser Social Graph geworden. Mit der stetigen Zunahme der Nutzung des Internets mit Hilfe GPS fähiger mobilen Geräten, wird dabei auch der Filter “Location” immer mehr an Bedeutung gewinnen!
Trotzdem gibt es hier noch viele Fragezeichen! Nehmen wir das Thema “Privacy” und schauen wir auf die Sensibilität die dafür gerade in Deutschland herrscht. Will ich wirklich freiwillig die Daten über meinen Aufenthaltsort z.B. Unternehmen zur Verfügung stellen? Aus Sicht des Konsumenten habe ich hier noch gewisse Bauchschmerzen, gerade auch da ich selbst bereits relativ intensive Erfahrungen mit Location-Based Services, wie z.B. Brightkite, gemacht habe.
Twitter hat im übrigen an dieser Stelle auch schon klar gemacht, dass es selbstverständlich den Nutzern frei stehen wird, ob sie es anderen Anwendungen überhaupt ermöglichen wollen, die Angabe über den Aufenthaltsort den eigenen Tweets hinzufügen. Diese Entscheidung wird dabei für jeden einzelnen Tweet getroffen werden müssen,was ich ein sehr gutes Vorgehen finde, da die Frage, wann ich Location-Daten veröffentlichen möchte und wann nicht, wesentlich komplexer ist als eine generelle Eintscheidung dafür oder dagegen.
Dennoch wird sich damit auch eine der Schwächen von Twitter offenbaren: die fehlender Differenzierung von Followern und der damit einhergehende Mangel an detailierteren Privacy Einstellungen. Entweder bekommen die Daten alle oder keiner!
Was bedeuten Location-Based Services für Unternehmen?
Zum aktuellen Zeitpunkt würde ich Unternehmen vorerst empfehlen, diesen Trend genauer zu beobachten und vor allem zu verfolgen, wie sich Twitter ab dem Zeitpunkt entwickeln wird, wo die neue API mit der “Location-Awareness” veröffentlicht wird. Der Dienst Foursquare selbst ist im Moment auch im übrigen noch gar nicht in Deutschland verfügbar, sondern nur in amerikanischen Großstädten und Amsterdam!
Trotzdem macht es sicherlich Sinn sich schon heute mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie sich die eigene Web Strategie durch den Einfluss von “Location-Awareness” erweitern lässt.
Gehen Sie z.B. einfach mal von der Annahme aus, dass sich “Location” als ein Filter für Daten etablieren wird. Dass dies mit der rasanten Zunahme des mobilen Zugriffs auf das Web passieren wird, halte ich für hoch wahrscheinlich. Dann würde es z.B. Sinn machen darüber nachzudenken, inwiefern eigene digitale Streams mit GEO-Daten angereichert werden sollten, um von diesen Location basierten Filtern, wahrgenommen werden zu können.
Damit hätten wir dann auch eine umgekehrte Situation zu der Privacy-Problematik, die ich zuvor erwähnte. Die Nutzer müssen in diesem Fall eben nicht zwingend ihre Daten freigeben, nutzen aber lokal auf ihren Geräten erst einmal ihre Position als Filter, um lokalisierte Streams zu entdecken.
Ich hatte bereits zuvor kurz das Beispiel erwähnt, dass wenn Twitter die neue API veröffentlichen wird, es z.B. sehr praktisch sein könnte zu sehen, wer alles bei einem Event im Umkreis von 50 Metern twittert. Oder ich möchte sehen, wenn ich z.B. in einer neuen Stadt in einem Hotel bin, was gerade um mich herum auf Twitter passiert.
Dann bietet dies sicherlich auch eine neue Form, um als Unternehmen auf Twitter wahrgenommen zu werden, mit seinen Kunden zu kommunizieren und auf intelligente Art und Weise zu interagieren.
Dazu sollten Sie sich diese dann neu hinzugewonnene “Location-Awareness” zu Nutzen machen!
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Zu allererst bin ich ja sauer, dass es Foursquare nicht in Berlin gibt. Ich warte seit Ewigkeiten auf den Dienst. Alternativ kann man sich mal @gowalla ansehen.
Ich bin Scobles Meinung, wie man auch daran erkennt, dass ich Feuer und Flamme für Cityfinger war und immer noch bin. Wir waren damals einfach vor unserer Zeit. Um es kurz zu machen ist Cityfinger wie Foursquare mit den grundsätzlichen Unterschieden, dass es keine öffentlichen Inhalte gibt. Das ist Segen und Problem zugleich, denn man erschlägt jegliche Privacy- und Filterproblematik, denn alle Tips sind hochrelevant durch Ersteller, Publikum und Ort. Problem ist, dass man den Netzwerkeffekt massiv drosselt.
Was der Amerikaner oft außer Acht lässt ist der grundsätzliche kulturelle Unterschied zu Europa hauptsächlich bzgl. unserer Offenheit und tendiert zu immer offeneren Systemen. Der Mensch hat ein Geltungsbedürfnis und benutzt Dienste zur Sozialisierung zum Preis eines langfristigen Schadens an seiner Privatsphäre. In Europa achten wir noch ein bisschen mehr auf unseren Schutz und haben deswegen auch dementsprechende Gesetze. Wie auch immer, vollkommen offene Systeme sind problematisch und vollkommen geschlossene wie Cityfinger sind es auch. Wir brauchen einen Mittelweg, aber dann fliegen LBS höher als kontextlose, verrauschte Tweets.
Ja Foursquare in Berlin wäre schon cool. Bin auch gespannt darauf den Dienst in echt testen zu können und nicht nur simuliert in SF
Über das Privacy Thema muss in dem Zusammenhang sicherlich noch mehr nachgedacht werden! Wobei der Mittelweg zwischen ganz offen und ganz geschlossen doch nicht sehr schwer zu gehen ist und meines erachtens von einigen Diensten auch schon praktiziert wird.
Ich finde z.B., dass Brightkite das schon sehr sehr gut gelöst hat. Mann kann seine Freunde in diverse Gruppen einteilen. Diesen Gruppen dann Privacy Einstellungen zuweisen – und was ich sehr spannend finde: man kann nicht nur Kontakten, sondern auch einzelnen Orten Privacy Einstellungen zuweisen.
Bei Brightkite bin ich:
- prinzipiell nur für meine Kontakte sichtbar
- in bestimmtes Cafes aber z.B. habe ich mich generell auf public gestellt.
Auf Events usw. würde ich dann auch kurz einfach einmal das flag setzen, dass hier jetzt alles öffentlich sein darf.
Das Problem, dass diese Daten dann aber irgendwo gespeichert werden, hat man damit aber natürlich noch nicht gelöst. Siehe den Aka-Aki Fall im Moment
Ja Foursquare in Berlin wäre schon cool. Bin auch gespannt darauf den Dienst in echt testen zu können und nicht nur simuliert in SF
Über das Privacy Thema muss in dem Zusammenhang sicherlich noch mehr nachgedacht werden! Wobei der Mittelweg zwischen ganz offen und ganz geschlossen doch nicht sehr schwer zu gehen ist und meines erachtens von einigen Diensten auch schon praktiziert wird.
Ich finde z.B., dass Brightkite das schon sehr sehr gut gelöst hat. Mann kann seine Freunde in diverse Gruppen einteilen. Diesen Gruppen dann Privacy Einstellungen zuweisen – und was ich sehr spannend finde: man kann nicht nur Kontakten, sondern auch einzelnen Orten Privacy Einstellungen zuweisen.
Bei Brightkite bin ich:
- prinzipiell nur für meine Kontakte sichtbar
- in bestimmtes Cafes aber z.B. habe ich mich generell auf public gestellt.
Auf Events usw. würde ich dann auch kurz einfach einmal das flag setzen, dass hier jetzt alles öffentlich sein darf.
Das Problem, dass diese Daten dann aber irgendwo gespeichert werden, hat man damit aber natürlich noch nicht gelöst. Siehe den Aka-Aki Fall im Moment
Mmh. Gowalla finde ich ja nett, aber nach dem Landgrab, keine Ahnung. Ggf. muss ich Brightkite noch mal eine Chance geben..
Landgrab? Was hab ich hier nicht mitbekommen? Brightkite fehlt leider noch einiges um es mit Foursquare oder Gowalla zu vergleichen
Würde es aber auch super finden, wenn Brightkite nachzieht. Bin irgendwie großer Brightkite Fan.
Hi,
Habt Ihr Euch schon mal DokoDare angeschaut?
http://dokodare.kaywa.com
Siehe auch:
http://dokodare.kaywa.com/event/ismar09/quick_tou...
Ne kannte ich noch nicht. Ich sehe QR-Codes
Die Frage ist, wie lange sich QR Codes für sowas wohl noch halten werden, wenn jetzt immer mehr Telefone GPS haben und einfach so festestellen können, was um mich herum zu finden ist.
Ich glaub ehrlich gesagt, dass wir das QR-Code Zeitalter – welches nie so richtig aufgeblüht hat – zumindest was Location-Based Geschichten angeht, schon wieder hinter uns haben.
Oder?
Das QR-Code Zeitalter war aus meiner Sicht nie mehr als eine Notnagel Technologie zu verstehen. Durch Lokalisierungsservices in Verbindung mit Kompassfunktionalitäten im Device und vielleicht zukünftig noch ergänzt mit Bilderkennungssoftware (z.b. Snaptell, Face Recognition…..) kann meine Umgebung mit einer Fülle von Metadaten versehen werden, und es stellt sich die Frage nach einem Usecase für aufgeklebte oder ausgedruckte QR-codes meiner Meinung nach nicht mehr.
Gruß,
Jens