Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

Die Plattform Strategie der Corporate Website

Posted: October 5th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Social Media | 20 Comments »

Wenn man sich die heutige “durchschnittliche” Corporate Website anschaut, sieht man viel gewohntes und noch wenig neues. Die Frage die sich einem heute vielleicht stellen mag, ist welche Entwicklungen es im Moment gibt, die sich direkt auf die zukünftigen Strategien für eine Corporate Website auswirken werden.

In meinen Augen sind wir dabei mitten in einem Prozess in dem sich die Vorzeichen – unter denen wir Corporate Websites konzipieren – wandeln. Dieser Blog Artikel ist der erste einer Serie in der es darum gehen soll Strömungen aufzuzeigen, die langfristig einen starken Einfluss darauf nehmen werden.

Die Plattform Strategie

Wenn wir noch vor ein paar Jahren die Frage gestellt haben, auf welchen Plattformen denn die Corporate Website stattfinden soll, war die Antwort relativ einfach: auf unserer eigenen im Web – wo sonst? Die Antwort auf diese Frage könnte ich heute so selbstverständlich nicht mehr geben.

In der Vergangenheit war es Normalität, dass die meisten Nutzer vor einem Computer sitzen und direkt, über Suchmachinen oder Online-Werbung auf unsere Corporate Website kommen, wir sie dort in Empfang nehmen und dann durch unser Angebot führen.

Heute sehe ich mind. drei weitere Plattformen, auf denen Nutzer unwahrscheinlich viel Zeit verbringen und die für unsere Überlegung enorm an Relevanz dazugewonnen haben.

Steve Rubel ging sogar neulich soweit zu sagen The Next Great Media Company Won’t Have a Web Site und bringt in seinem Artikel zum Ausdruck, dass wir mittlerweile durchaus die Situation haben, dass es Media Companies geben könnte, die nur noch auf Plattformen Dritter – wie z.B. Facebook, Youtube und dem iPhone – stattfinden, ohne selbst noch eine eigene Webseite zu haben.

Dahinter steckt die einfache Denke dort stattfinden zu wollen, wo die Nutzer sind. Dass wird auch in einem immer stärker zunehmenden Maße auf die Strategie hinsichtlich einer Corporate Website der Zukunft zutreffen und vermutlich auch die Rolle dieser verändern, worauf ich in einem zukünftigen Artikel weiter eingehen möchte.

1. Mobile

Das mobile Web ist sicherlich schon seit einigen Jahren auf unserem Radar, hat aber durch das iPhone, den iTunes-App Store und Android enorm an Bedeutung gewonnen. Und lassen Sie mich ganz klar sagen: es geht hierbei nicht darum, dass Ihre Corporate Website auch auf einem Telefon gut aussieht, sondern darum  sich um den spezifischen Use-Case und die Plattform “Mobile” an sich Gedanken zu machen.

Ein interessantes Beispiel, was schon in diese Richtung geht, ist z.B. das von Starbucks, wo nicht nur klassische Corporate Website Informationen intelligent auf das iPhone portiert worden sind, sondern es auch eine Applikation gibt, um mit dem iPhone seinen Kaffee bei Starbucks bezahlen zu können.

Wie muss ich heute und in Zukunft als Unternehmen auf der Plattform “Mobile” stattfinden? Wie Nutzen meine Kunden diese Plattform? Was für Erwartungshaltung entsteht durch diese Nutzung in der Zukunft an die Präsenz von Unternehmen? Wie integriert sich diese Plattform in meine gesamte Strategie?

Und vor allem: Welchen Nutzen kann ich für meiner Kunden auf dieser Plattform schaffen, den ich Ihnen auf der klassischen Corporate Website nicht bieten kann?

2. Social Networks

Facebook macht es jetzt seit einigen Jahren vor und viele versuchen nachzuziehen: sich als Plattform zu verstehen und sowohl Nutzern als auch Unternehmen ein mehr als interessantes digitales ‘Ecosystem’ zu schaffen.

Diese Plattformen sind im Moment gigantische eigenständige Inseln im großen Web Ocean (über 300 Millionen Menschen allein auf Facebook) und es macht aus meiner Sicht absolut Sinn sich nicht ausschliesslich zu überlegen, wie man Menschen von dieser großer Insel in Richtung der eigenen Corporate Website lockt, sondern wie man vor allem auch einfach selbst auf dieser Insel stattfinden kann.

Interessante Beispiele sind hier sowohl die Modemarke GAP auf Facebook als auch der Getränkehersteller Vitaminwater auf Facebook, die mit ihren Pages und Applikationen auf Facebook, ihre Strategie auf diese Plattform ausgedehnt haben und dort auf interessante Art und Weise stattfinden.

Wie muss ich also heute und in Zukunft als Unternehmen auf diesen Plattformen stattfinden? Wie Nutzen meine Kunden diese Plattformen? Was für Erwartungshaltung entsteht durch diese Nutzung in der Zukunft an die Präsenz von Unternehmen? Wie integriert sich diese Plattform in meine gesamte Strategie?

Und vor allem: Welchen Nutzen kann ich für meiner Kunden auf dieser Plattform schaffen, den ich Ihnen auf der klassischen Corporate Website nicht bieten kann?

3. Fernseher

Während die ersten beiden Plattformen heute schon wirklich stattfinden und man viele Möglichkeiten hat dort aktiv zu werden, ist die Plattform Fernseher leider immer noch Zukunftsmusik und scheitert vor allem daran, dass es noch keinen wirklichen Standards gibt.

Trotzdem sehe ich die Plattform Fernseher als eine der wichtigsten Plattformen der Zukunft an, auf der auch Unternehmen stattfinden werden. Dieses Feld sollte man unbedingt im Auge behalten und dazu werden Sie auch auf dem diesen Blog in Zukunft mehr Input erhalten.

Fazit

Das sollen soweit drei Beispiele für Plattformen gewesen sein, die hoffentlich deutlich machen, dass man in Zukunft nicht mehr isoliert auf die eigene Corporate Website schauen sollte, sondern, dass es in Zukunft immer wichtiger wird eine Strategie zu finden, die unterschiedlichste Plattformen mit einbezieht und sowohl klassische Corporate Website Themen auf diese Plattformen erweitert, als aber auch Plattform spezifische neue Möglichkeiten nutzt, um Kunden neue Mehrwerte in anderen Kontexten zu bieten.

Die Vielzahl an neuen Plattformen, auf denen man als Unternehmen stattfinden und damit Kunden erreichen kann, war damit eine der ersten wichtigen Einflussfaktoren hinsichtlich der Konzeption neuer Corporate Websites für die Zukunft.


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20 Comments on “Die Plattform Strategie der Corporate Website”

  1. 1 Udo Hoffmann said at 10:38 am on October 5th, 2009:

    Tolle Gedanken, guter Beitrag. Bis auf einen Punkt.
    Ich denke Fernsehen wie es heute funktioniert, manövriert sich immer mehr ins Abseits der zukunftsfähigen Medien. Die klassische Sendeanstalt ist das absolute Gegenteil dessen, was sich im Internet entwickelt.
    Und so wie hier die Machtverhältnisse sind, sehe ich da keine echte Perspektive.
    Sattdessen wird das Internet immer mehr auf den Monitor im Wohnzimmer (no longer 'Fernsehen') vordringen und dort völlig neue Arten der Bewegtbildbetrachtung schaffen. Es wächst aktuell eine Generation heran, die nur noch einen Bruchteil ihrer Mediennutzung über den Fernseher stattfinden läßt, weil es viel zu eindimensional und viel zu wenig dialogorientiert (oder interaktiv) ist.
    Aber vielleicht hast du das ja so gemeint. Greetz.

  2. 2 @JcJensen said at 12:24 pm on October 5th, 2009:

    Hey Udo,

    ich glaube was Sebastian meint, ist eher das Nutzungsverhalten "Fernsehen". Also Lean Back im gewohnten Umfeld des Wohnzimmers. Und du hast recht, genau hier wird es super interessant, wer dieses Nutzungsverhalten mit Content oder Kommunikationsmitteln in Zukunft versorgt. Gerade die neuesten Entwicklungen wie Philips Net-TV oder die Geräte von Samsung zeigen, dass der User beginnen kann, sich das Angebot im Wohnzimmer zu personalisieren.

  3. 3 Nico said at 12:36 pm on October 5th, 2009:

    Das American Football-Team New England Patriots hat sich bereits gegen die klassische Website entschieden und nutzt Facebook bereits als "Primary Online Presence". http://www.insidefacebook.com/2009/09/29/new-engl...

  4. 4 guttertec said at 12:44 pm on October 5th, 2009:

    Einen kleinen theoretischen Überblick zum Thema Personalisierung/Profiling für Bewegtbildsysteme kann man sich hier verschaffen: http://blog.openwebpodcast.de/137/episode-16-wir-...

    Spannend ist in dem Zusammenhang auch die Sopranos Anwendung von Area/Code: http://playareacode.com/work/sopranos/ bzw. auch für MTV http://www.mtv.com/thinkmtv/research/pdf/MTV_Happ... #socialBackrooms

    Herausragend finde ich zum Thema Social TV auch Boxee – sicherlich eine Vorzeige-Applikation: http://www.boxee.tv/homepage/

  5. 5 Igor Schwarzmann said at 5:05 pm on October 5th, 2009:

    Das Open Screen Project von Adobe, bei dem mitlerweile sehr, sehr viele Partner dabei sind (seit heute auch Google), ist ja auch so ein Versuch die Glotze zu erobern. ,) Ich bin zwar kein großer Fan von Flash basierten Loesungen aber immerhin passiert da ein wenig was.

    Auf diesem Gebiet arbeiten aber auch schon Yahoo/Intel: http://connectedtv.yahoo.com/partners/intel und ich bin ziemlich sicher, dass es von Cisco demnaechst auch eine Loesung geben soll.

  6. 6 Michael Völker said at 6:41 pm on October 5th, 2009:

    Wir beobachten ja seit einiger Zeit, wie immer mehr klassische Abteilungen wie Marketing, PR, Customer Care, Brand Communication usw. In Social Networks Fuß fassen. Der Knackpunkt wird mMn sein, wenn deren Ökosysteme komfortable Möglichkeiten bieten, auch den Vertrieb dort stattfinden zu lassen. Der ist nunmal die für Entscheider wichtigste Messlatte. Und wenn ich bei facebook mit facebook Credits in einem facebook-Shop einkaufen kann stellt sich in der Tat die Frage, warum ich noch eine eigene Seite brauche. Insofern: richtig gedacht, guter Post!

  7. 7 guttertec said at 4:10 am on October 6th, 2009:

    Hallo Christian, ich denke nicht das Marken unbedingt einen Kontrollverlust in Kauf nehmen müssen. Sie müssen sich "ledglich" öffnen. Ich kann dazu ein Buch von Kelly Mooney empfehlen "Open Brand" s. a. http://theopenbrand.resource.com/ – Unternehmen sollten sich bewußt sein, dass Sie – fall Sie bei Social Networks aktiv werden möchten – anderen Grundparametern entgegen stehen. Der Einsatz von Community Managern in Kooperation mit den Brand Managern und der Community selbst könnte z. B. ein erster Schritt sein. (Gaming)Netzwerke wie Steam (http://store.steampowered.com/) veranschaulichen dies bereits seit Jahren erfolgreich.

  8. 8 ami said at 6:46 am on October 6th, 2009:

    interessante punkte. ich denke, der knackpunkt ist, welche inhalte man den nutzern bieten kann, die man auf der eigenen seite nicht bieten kann (vor allem hinsichtlich reichweite und geld verdienen).
    auch wenn ich den gedanken faszinierend finde, dass es unternehmen ohne website gibt (die bewusst darauf verzichten), glaube ich nicht, dass es schon soweit ist. warum, das hat holger schmidt ja grad nebenan in seinem artikel über google beschrieben – andererseits sind große unternehmen mittlerweile derart abhängig von google, dass es durchaus an der zeit sein kann, budgets umzuschichten.

    ich bin gespannt, was noch in deiner reihe kommt – einer meiner lieblingskonzepte in sachen corporate website strategien ist übrigens noch immer das "change this" manifesto von dave wilson http://changethis.com/18.4GWebStrategy mit den hübschen zwiebelringen.

  9. 9 Sebastian Küpers said at 7:37 am on October 6th, 2009:

    Hehe – ja so hat ich das gemeint :) Hätte da vielleicht noch etwas mehr ins Detail gehen sollen. Sprich JcJensen hat das unten schon gut weiter ausgeführt.

  10. 10 Sebastian Küpers said at 7:41 am on October 6th, 2009:

    Hey danke für den Hinweis. Ganz spannend zu lesen – hab es auch nochmal als Link auf unserer Facebook Page gepostet!

  11. 11 Sebastian Küpers said at 7:42 am on October 6th, 2009:

    Und wie schätzt Du selbst die Erfolgschancen von solchen Unterfangen ein?

  12. 12 Sebastian Küpers said at 7:43 am on October 6th, 2009:

    Danke! Ja das Thema Payment innerhalb solcher Plattformen wird auch nochmal richtig spannend, geb ich Dir absolut recht. Das Thema wäre eigentlich auch nochmal einen eigenen Artikel wert ;)

  13. 13 Sebastian Küpers said at 7:51 am on October 6th, 2009:

    Geb ich Dir prinzipiell recht (wie Du bestimmt schon ahnst ;) – man sollte das jetzt auch nicht als entweder/oder verstehen, sondern schon als Netzwerk-Strategie, bei der man auf diversen Plattformen präsent ist, aber auch Technologien nutzt, um auf der eigenen Seite die Vernetzung untereinander wieder abzubilden.

    Der nächste Artikel über wichtige Strömungen, die Einfluss auf die Konzepte für Corporate Websites der Zukunft nehmen werden, geht wieder um das Thema wie man den Social Graph der Leute auf der eigenen Website besser nutzen kann ;)

    Zum Thema Branding: Wäre das nicht die RL-Metapher "Einkaufpassage"? Jegliche Marken dieser Welt haben ja auch kein Problem damit z.B. in der "Mall of America" einen Shop zu haben und dort ein gewissen Co-Branding hinzunehmen, wenn der Tradeoff stimmt ;)

    Die Welt besteht ja nicht nur aus Flag-Ship-Stores ;) Aber das steht sicher zur Diskussion – ich würde mich hier jetzt auch nicht als großer Branding Experte positionieren wollen – vielleicht kann da ja jemand was zu sagen?

  14. 14 Sebastian Küpers said at 7:54 am on October 6th, 2009:

    Ich denke ehrlich gesagt auch nicht, dass man überhaupt irgendwann mal zu dem Punkt kommen wird, dass die Corporate Website verschwindet, aber ich denke ihre Rolle könnte sich stärker hin zu einem Aggregator entwickeln. (was ein Punkt in einem zukünftigen Artikel sein wird)

    Bei dem Knackpunkt geb ich Dir absolut recht und vielen Dank für den Link – das werd ich mir gleich mal zu Gemüte führen ;)

  15. 15 Igor Schwarzmann said at 8:54 am on October 6th, 2009:

    Wenn Intel und Cisco etwas anpacken, dann muss man definitiv darauf achten. Vor allem Cisco investiert wohl sehr viel Geld im Bereich des Home Entertainments: http://online.wsj.com/article/SB12312857599765906... & http://www.nytimes.com/2008/12/29/technology/29ci...

    Wir sind vermutlich noch ein paar Jaehrchen von der Verbreitungswelle von solchen Geraeten entfernt, obwohl auf der IFA ja bereits einige Sender gezeigt haben, dass sie solche Experimente machen.

  16. 16 Herr Voß said at 12:21 pm on October 6th, 2009:

    Social Media – Wird die Firmen-Homepage überflüssig? In seinem Artikel „Die Plattform Strategie der Corporate Website“ spielt Sebastian Küpers mit dem Gedanken, bestimmte Firmen könnten schon heute auf eine eigene Webpräsenz verzichten und stattdessen Plattformen wie Facebook, YouTube, iPhone-Apps & Co. nutzen. Seine nicht ganz neue Idee: Gehe dort hin, wo Deine Kunden sind… http://kaffeeringe.de/Blog/Wird-die-Firmen-Homepa...

  17. 17 Das Netz der zwei Geschwindigkeiten « kadekmedien’s Blog said at 6:17 am on October 12th, 2009:

    [...] denn überhaupt mit Social Media meine, wozu Twitter eigentlich gut ist und wieso man plötzlich keine eigene Website mehr benötigen [...]

  18. 18 Future of Web Strategy » Blog Archive » Der Marken-Leuchtturm im Web said at 8:54 am on October 15th, 2009:

    [...] Dies ist der zweite Artikel in der Serie zu aktuellen Entwicklungen, die sich in Zukunft direkt auf die Corporate Website auswirken werden. Im ersten Artikel ging es dabei um die zukünftige Plattform Strategie der Corporate Website. [...]

  19. 19 Future of Web Strategy » Blog Archive » Die Zukunft der (Social) Microsite said at 12:06 pm on November 16th, 2009:

    [...] was ich in meinem Artikel Die Plattform Strategie der Corporate Website geschrieben habe, trifft meiner Meinung nach in einem noch viel höheren Maße für eine Microsite [...]

  20. 20 Rade said at 10:44 am on November 16th, 2009:

    "Ist dann das gute alte Branding tot?"
    aber wieso? Branding hat sich weiterentwickelt, ist subtiler geworden.

    leider tun sich viele Marken sehr schwer mit einer Branding-Liberalisierung im Web. Wenn die Politik im Spiel ist, kann ein Business Case noch so gut aussehen…


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