Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

Die Identität ist die Plattform

Posted: October 19th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Open Web | 1 Comment »

Ein guter Bekannter von mir, Chris Messina, hat neulich einen Vortrag mit der Überschrift “The Identity is the Plattform” gehalten. In seinem ca. 45 minütigen Vortrag geht er dabei auf heutige Problemstellungen im Zusammenhang mit der Online-Identität von Individuen ein und erläutert wie man in Zukunft mit dem Konzept von “Distributed Social Networking” (Kurz. “DiSo”) diesen Problemstellungen begegnen kann.

Das spannende ist dabei, dass diese Probleme und Lösung durchaus nicht nur auf Individuen zutreffen, sondern sich im gleichen Maße auch auf Unternehmen und Marken übertragen lassen. Ich denke was in diesem Bereich aktuell passiert, und auch gerne mit den Begriffen  ”Open Web” oder “Data Portability” assoziiert wird, ist für jedes Unternehmen mehr als wichtig zu verstehen, um besser absehen zu können, wohin die Reise langfristig im (social) Web gehen wird.

Dieser Beitrag soll einen ersten Einstieg in diese teilweise auch durchaus komplexe Thematik bieten.

Meine Daten und meine Identität gehören mir

Eines der Kernthemen um die es sich dabei dreht, ist die Problematik, dass wir immer mehr Dienste mit unseren Daten speisen, aber in nur seltenen Fällen die Kontrolle darüber behalten können. Ich diskutiere das Thema seit gut 3 Jahren und in dieser Zeit ist sicherlich schon viel passiert, aber grundsätzlich gilt immer noch, dass z.B. Social Networks Daten-Silos darstellen, in denen erstmal alle Daten über unsere Identität, unseren Social Graph, unsere Aktivitäten und unseren Content hineinfliessen und diese Daten nicht immer ohne weiteres wieder extrahierbar sind.

Das gleiche gilt auch für die Identität ihrer Marke – haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie Sie eigentlich an eine Liste Ihrer Fans bei Facebook kommen? Oder sagen wir, Sie wollen nicht nur eine Marken-Identität bei Facebook haben, sondern auch bei Youtube. Wäre es nicht toll, wenn man abgleichen könnte, wer von Ihren Facebook Fans auch bei Youtube ist? Und was passiert eigentlich wenn – warum auch immer – Facebook mal nicht mehr da ist?

Wie bekommen Sie dann auch als Marke Ihre gesamten sehr wertvollen Daten dort wieder herraus? Die ganzen Konversationen mit Fans, die Inhalte die vielleicht Kunden von Ihnen auf ihre Facebook Page gepostet haben usw.? Das sind doch Ihre Daten, Ihre Gespräche mit Kunden – sollte man darüber nicht auch die volle Kontrolle haben, um in eine nicht zu große Abhängigkeit zum Plattform Betreiber aufzubauen?

Ihre (Marken)Identität sollte eigentlich die Plattform sein!

Marken haben hier genau die gleichen Problemstellungen wie Individuen und wer sich das Video von Chris mal in Ruhe anschaut, sollte einfach immer diesen Aspekt im Hinterkopf haben und die entsprechenden Parallelen ziehen.

Man sollte mich an dieser Stelle allerdings auch nicht falsch verstehen: Ich bin z.B. ein großer Fan von Facebook, sehe dass dort extrem viele innovative Dinge passieren, große Chancen für Unternehmen dort geschaffen werden und generell ein sehr gutes Verständnis für dieses Thema vorhanden ist. Nur herrscht bei Unternehmen wie Facebook die verständliche Devise sich nur soweit zu öffnen, wie es der Markt gerade erfordert.

Ich denke für Sie als Unternehmen ist es heute erstmal wichtig sich überhaupt über diese Problematik bewusst zu werden. Ich bin der festen Überzeugung davon, dass es gut ist, eine weiter gefasste Plattform Strategie für Ihre Präsenz im Web zu finden und dort zu sein, wo Ihre Kunden sind – aber man darf dem auch nicht vollkommen naiv nachkommen, sondern muss sich zumindest Gedanken machen, wie man dabei die Kontrolle über die Daten behalten kann, die dabei nunmal anfallen.

Was nicht passieren darf – und das ist das Beispiel von Chris ganz am Anfang seines Vortrages – dass eines Tags mal eine der vielfältigen Plattformen auf denen Ihre Marke aktiv stattfindet, wieder verschwindet und damit auch alle Beziehungen zu Fans auf diesen Plattformen mit verschwinden.

Und lassen Sie mich an dieser Stelle ganz offen sein: Eine wirklich Lösung wie man heute optimal damit umgeht, habe ich auch noch nicht in der Schublade liegen … aber wir arbeiten daran ;)

Langfristig muss es darum gehen, dass Menschen unabhängig von Plattformen Fans von Ihnen als Unternehmen werden können und es eine unabhängige etablierte Beziehung gibt, die auf Basis von offenen Standards es beiden Parteien ermöglicht ein Maximum an Kontrolle über die dabei entstehende Daten zu behalten. Das mag an dieser Stelle noch sehr abstrakt klingen, wird aber in Zukunft in dieser Stelle anhand von Beispielen noch intensiver beleuchtet werden!



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One Comment on “Die Identität ist die Plattform”

  1. 1 Henry Story said at 1:35 pm on October 19th, 2009:

    Dich interessiert dann sicherlich auch dieser vortrag den ich bei HAR gegeben habe uber foaf+ssl und der sociale Web

    http://blogs.sun.com/bblfish/entry/camping_and_ha...

    Eine längere version have ich dan bei FrOSCon gegeben:

    http://blogs.sun.com/bblfish/entry/froscon_the_fr...

    Dieses protocol ist sehr leicht zu verstehen und zu implementiered (php, Drupal, perl, python und Java haben wier schon)

    http://esw.w3.org/topic/foaf+ssl


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