Die Zukunft der (Social) Microsite
Posted: November 16th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Social Media | 2 Comments »Microsites gehören zum Standard-Repertoire der Online Maßnahmen auf die gerne zurückgegriffen wird, wenn man etwas machen möchte, was vielleicht nicht unmittelbar im Kontext der Corporate Website gut aufgehoben ist.
Microsites können dabei vielerlei Aufgaben erfüllen: Sie liefern Hintergründe zu der Entstehung eines Produktes, erzählen im Rahmen einer Kampagne eine Geschichte, sollen manchmal ganze Communities aufbauen, können Spiele, Rätzel, Wettbewerbe uvm. beherbergen und sollen dabei eigentlich immer ein digitales Markenerlebnis erschaffen, was nach ein paar Minuten “Lean-Back-Engagement” einen positiven Eindruck hinterlässt und sich hoffentlich positiv auf zukünftige Kaufentscheidungen auswirken wird.
Microsites sind dabei gerne mal kleine Kunstwerke und somit Spielplatz für Agenturen, um sich kreativ auszutoben, um die Marke zu inszenieren, um tolle Ideen umzusetzen, die im Korsett der Corporate Website vielleicht einfach nicht ohne weiteres möglich sind.
Die Frage, die ich mir die Tage allerdings gestellt habe, lautet: Sind Microsites eigentlich noch zeitgemäß oder durch Youtube Brand Channels, Facebook Pages und Co. nicht längst überflüssig geworden? Und wenn die Antwort “nein” lautet, wenn man feststellt, dass sie nicht überflüssig sind, müssen sie sich dann nicht vielleicht maßgeblich zumindest verändern und weitergedacht werden?
Warum die Microsite überflüssig sein könnte
Schaut man sich die drei exemplarischen Aufgaben einer Microsite an, die ich oben genannt habe, könnte man durchaus mal provokativ die Frage in den Raum stellen, wozu man eine Microsite noch zwingend braucht?
Ich selbst bin z.B. ein großer Fan davon mir Videos über die Entstehungsgeschichte eines neuen Produktes anzusehen, in denen mal die verschiedenen Designer und Ingenieure zu Wort kommen und mir erzählen, was sie sich bei der Kreation dieses Produktes so gedacht haben.
Mich dafür aber jedes mal durch die enorm verspielten, ja gerne auch mal eher unübersichtlichen Microsites zu navigieren, die zu Gunsten des Markenerlebnisses 15 Jahre Erkentnisse zum Thema Web-Usability über Board geworfen haben, um dann festzustellen, dass ich das Video nicht bookmarken, liken, kommentieren oder sharen kann, kommt mir doch irgendwie mittlerweile zumindest seltsam vor.
Wenn ich heutzutage auf eine Microsite komme, die von mir möchte, dass ich mich anmelde, um der “XYZ”-Community beizutreten und ich dann alle meine Freunde per Email einladen soll, um mit Ihnen gemeinsam einen ganz spitzen auf die Marke zugeschnittenen Mehrwert auskosten zu können, denke ich: ähm, nö – sorry keine Zeit. a) habe ich keine Lust hier noch mal alle meine Daten einzugeben, b) will ich doch jetzt nicht jeden meiner Freunde hier anschleppen und c) komme ich doch vermutlich eh nicht wieder.
Spiele gehen natürlich immer. Zack – irgendwo draufgeklickt, Microsite poppt auf, lustiges Spiel startet, die Gamer-Natur wurde in mir geweckt, los gehts und zu gewinnen gibt es vielleicht auch noch was. Super! 2346 Punkte hab ich gemacht. Tja und meine Freunde, wieviel Punkte haben die? Kann ich die vielleicht herausfordern, bzw. sie überhaupt mal auf das Spiel aufmerksam machen, in dem ich Ihnen sagen, was für ein Held ich mit meinen 2346 Punkten bin?
Der Punkt auf den ich hier hinaus möchte ist folgender: Ich denke ein großer Teil aller Use-Cases für Microsites lassen sich durch die Kompenente “Social” enorm verbessern, bzw. würde ich auch soweit gehen zu sagen, dass bereits immer mehr Leute diese Komponente bei Microsites bereits ernsthaft vermissen. Und ein eher liebloses hinzufügen von “Share this on Twitter, Facebook und Co.” ist hier auch nicht die Lösung.
Das was ich in meinem Artikel Die Plattform Strategie der Corporate Website geschrieben habe, trifft meiner Meinung nach in einem noch viel höheren Maße für eine Microsite zu. Oder um es vielleicht noch platter zu formulieren: Was früher ein Microsite Projekt war, ist heute ein Social Media Projekt?!
Wie sich die Microsite in Zukunft wandeln müsste
Vorweg: ich denke nicht, dass Microsites per se überflüssig werden. Ganz im Gegenteil. Ich denke aber, dass sie sich enorm wandeln müssen und man Microsite-Projekte in Zukunft anders angehen muss, als das heute noch häufig der Fall ist. (vorausgesetzt wir reden über Microsites, deren Use-Cases von “Word of Mouth” profitiert)
Schauen wir uns heute z.B. mal die Möglichkeiten von Facebook und seines Pages sowie Applikationen an, würde ich mal behaupten, dass wenn jeder Internet Nutzer bei Facebook wäre und es sich bei Facebook um eine offene allgemeinnützige Plattform handeln würde, wir hier die perfekte Brutstätte für die Microsite der Zukunft hätten.
Die Art und Weise wie sich auf Facebook eine Page – und damit eine Marke/ein Produkt – in das soziale Netzwerk einer einzelnen Person integrieren lässt, öffnet einem einfach sehr viele Möglichkeiten, um a) ein digitales Markenerlebnis zu schaffen, was man gemeinsam mit seinen Freunden teilt und b) um starke virale Effekte für sich zu nutzen.
Menschen können Fans einer Marke werden und damit tauchen interessante Inhalte dieser Marke in dem Lifestream dieser Personen auf. Egal was diese Leute auf meiner Page tun – ich kann ihnen immer hervorragende Möglichkeiten bieten, um nicht nur diese Aktivität im Kontext ihres Social Graphen sichtbar zu machen, sondern um auch mit dieser Page zu interagieren – Inhalte zu kommentieren, zu liken und zu sharen.
Darüber hinaus bietet Facebook unwahrscheinlich attraktive Möglichkeiten, um diese Microsite auf Facebook zu bewerben, in dem man Engagement-Ads schalten kann, die sich nicht nur hervorragend targeten lassen, sondern die durch den sozialen Kontext – “Sebastian Küpers ist bereits Fan” – auch unwahrscheinlich erfolgreich sind und eher einer gesponsorten Empfehlung, als platter Werbung gleichkommen.
Leider ist meine Annahme eingangs falsch und Facebook zwar an sich schon sehr populär, aber noch längst nicht bei jedem Internet-Nutzer angekommen geschweige denn eine offene und allgemeinnützige Plattform
Trotzdem muss ich sagen, sollte man sich von dem Facebook-Model inspirieren lassen und schauen, was man davon wie in Zukunft allgemein gültiger übertragen und umsetzen kann. Und auch hier muss man sagen, dass Facebook erstmal selbst so schlau war und wieder weit genug vorrausgedacht hat und mit der Open Graph API im Q2 2010 eine Möglichkeit bereitstellen wird, viele der spannenden Page-Features ausserhalb von Facebook auf der eigenen Seite zu implementieren, womit quasi jede Seite im Web zu einer Facebook Page werden kann und wir damit für Microsites auch wieder spannende Möglichkeiten erhalten werden.
Damit verfolgt Facebook konsequent – wie schon mit Facebook Connect – die Strategie, dass die Menschen ihre Identität und ihren Social-Graph auf einfache Art und Weise mit durch Web nehmen können und sie Webseiten dabei helfen mit Technologie von Facebook “more social” zu werden.
Und ich denke genau darum geht es auch in Zukunft bei Microsites. Microsite drüfen nicht mehr so abgekapselte Flash-Inseln sein, auf der zwar die Kreativität keine Grenzen kennt, die Connectivität zum “Social Web” aber mehr als unterentwickelt ausgebildet ist und maximal durch ein paar “Share-Buttons” repräsentiert wird.
Gerade da wir ja mit Microsites eine Plattform haben, auf der auch gerne mal völlig neue Dinge ausprobiert werden, sollte man hier in Sachen “Social Web” wirklich mit Meilenstiefeln vorrangehen und neue Dinge ausprobieren.
Die Microsite als Staging-Plattform und Knotenpunkt fürs Social Web
In meinen Augen kann eine Microsite hervorragende sowohl als “Staging-Plattformen” als auch als “Knotenpunkt” für Aktivitäten im sogenannten “Socia Web” dienen. Die aller meisten Use-Cases für Microsites liefern bereits gute Use-Cases und Inhalte – wie z.B. Videos über Hintergründe zu Produkten – die sich toll auf anderen Plattformen verteilen lassen. Systeme mit denen man Microsites erstellt und pflegt sollten in Zukunft darauf ausgelegt sein den Content nicht nur auf die Microsite an sich zu distribuieren, sondern überall dorthin, wo der Content noch dankbare Abnehmer und Multiplikatoren finden würde.
Wenn eine Microsite eigene kleine Satelliten auf Youtube, Facebook, Twitter, MySpace und Co. unterhält und die zentrale Geschichte, die mit einer Microsite erzählt werden soll, auch in Teilen auf diesen stattfindet, sollten auf der Microsite wieder alle Fäden zusammenlaufen. Die Microsite wird damit auch zum Knotenpunkt und liefert nicht nur das gesamte Bild, sondern könnte auch alle Aktivitäten – wie z.B. die unterschiedlichsten Konversationen zu der Geschichte – wieder aggregieren und damit auch neue Anknüpfungspunkte für den Besucher aufzeigen.
Auch geht es einem Unternehmen doch darum langfristige Beziehungen zu den eigenen Kunden aufzubauen und auch wenn z.B. Facebook schon tolle Möglichkeiten bietet, so würde ich doch trotzdem immer in die Richtung denken, wie ich dies auch in meinen eigenen “vier Wänden”, unter Zuhilfenahme von OpenID, OAuth, Facebook Connect und zukünftig vielleicht auch der Open Graph API, bewerkstelligen kann.
Ist die Microsite in Zukunft vielleicht der Lifestream einer Geschichte die im Web sowohl vom Unternehmen als auch seinen Kunden erzählt und gestaltet wird? Ist die Microsite evt. in Zukunft der Ankerpunkt, an dem ich aus dem Social Web heraus “Engagement Leads” erzeugen kann, in dem sich Leute bei mir mit ihrem Google, Twitter oder Facebook Account anmelden und damit sozusagen Plattform übergreifend “Fan” meiner Marke werden?
Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel etwas zum Nachdenken anregen und zumindest ansatzweise aufzeigen, dass für Microsites in Zukunft noch viel Potential besteht sich zu wandeln und in gewisser Weise auch eine veränderte Rolle im Kontext von “Social Media” einzunehmen. Weitere konkrete Ideen, Gedanken und Beispiele werden an dieser Stelle in Zukunft sicherlich noch folgen.
Hallo Sebastian,
ein wie immer gelungener Artikel. Grundsätzlich stimme ich dir auch absolut zu, allerdings erstmal nur für die B2C Kommunikation, den deren Zielgruppen treiben sich derzeit schon fleißig und zukünftig sicherlich noch verstärkter im „Social Web“ herum. Ansatzpunkte das Model der „Social-Microsite“ auf B2B zu adaptieren sehe ich momentan noch recht schwer … aber wer weiß was da zukünftig alles möglich sein wird.
Freu mich schon auf den nächsten Artikel!
Gruß aus dem Sauerland
Maik
Schöner Artikel mit vielen interessanten Gedanken, vielen Dank. : )
Mir fiel bei der Gelegenheit mal wieder Iain Tates Zitat zum Thema Microsite ein: "No one cares about your bloody microsite. In 2009 the flashy high production value microsite is finally starting to feel irrelevant. Sites that seem to do everything, but deliver nothing." Das trifft es doch auf den Punkt.