Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

Identität ist König – nicht die Technologie

Posted: November 17th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Facebook, Open Web, Social Media | 8 Comments »

Auf Twitter gab es gestern Abend eine kleine Diskussion über das beliebte Thema “Facebook Connect vs. OpenID”, da Jeremiah Owyang die Diskussion durch folgendes Statement in Gang gebracht hatte.

Im weiteren Verlauf der Diskussion fügte er dann hinzu, dass seine Kunden auch immer nur nach Facebook Connect und nicht nach OpenID fragen, da es kompliziert sei.

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies grundsätzlich eine falsche Herangehensweise an das Thema ist und jeder von Jeremiahs Kunden besser beraten ist, das Thema aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Es geht erstmal nicht um die Technologie

Sondern es geht für mich eigentlich erstmal um die Frage: wie kann ich die Barrieren für eine „Identifikation“ (ja, früher im non-social Web sagte man „Login“) eines Besucher so niedrig wie möglich halten?

Die Frage welches Potential an der Identifikation dann noch dran hängt (Profil-Daten, Social-Graph, Lifestream) spielt zwar auch eine wichtige Rolle, ist für mich aber tatsächlich erstmal zweitrangig, da ich das Problem auch nach der initialen Identifikation – die dann schon ein gewisses Commitment mitbringt – immer noch elegant lösen kann.

Ich möchte aber erstmal, dass möglichst viele Besucher auf meiner Seite den Mantel der Anonymität ablegen und sich – mit welchem System auch immer – identifizieren und dann mit ihrer Identität und ggf. im Kontext ihres Social Graphs bei mir aktiv werden.

Identität ist die Grundlage für alle Mechanismen im Social Web. Wenn ich mit meinen digitalen Aktivitäten als Marke „more social“ werden möchte, muss ich daher erstmal den Zustand des identifizierten Users herstellen.

Den Social Graph gibt es nicht ohne Identität. Das virale Verbreiten von Akitvitäten und Content in einem Lifestream gibt es nicht ohne den Social Graph. Fangen wir also am besten bei der ersten Hürde an ;)

Für mich spielen im Wesentlichen zwei Kriterien eine Rolle bei der Herstellung des identifzierten Zustandes:

  1. Von welcher Webseite kommt ein Benutzer auf meine Seite?
  2. Welche Plattform hat für mich den größten Multiplikator-Wert?

In Abhängigkeit von diesen Kriterien sollte man in jedem Fall mit unterschiedlichen Möglichkeiten zur Identifizierung arbeiten, dynamisch auf jeden einzelnen Besucher reagieren und nicht alles auf eine Karte setzen.

Von welcher Webseite kommt ein Benutzer?

Viele große Internet-Brands – wie z.B. Google, Twitter, Windows Live, Yahoo, AOL, MySpace – setzen mittlerweile auf offene Standards wie OpenID, OAuth, Portable Contacts und Open Social und damit besitzen weit mehr Account-Geber (Identity-Provider) als nur Facebook das Potential als einfache Login-Option herzuhalten.

Es ist auf Grund der Architektur dieser Systeme dabei in meinen Augen immer ratsam, die Option primär anzubieten, von der ausgehend ein Nutzer die eigene Webseite besucht, da dann die Chance groß ist, dass er dort bereits eingeloggt ist und somit wirklich nahtlos mit einem bis zwei Klicks eingeloggt/registriert werden kann, ohne das eine weitere Authentifizierung bei dem Account-Geber notwendig ist.

Drei einfache Beispiele:

  1. Kommt ein Besucher über Twitter zu mir auf die Seite, kann ich ihm (primär) seinen Twitter Account als Signup Option anbieten.
  2. Kommt ein Besucher über Youtube oder auch nur über die Google Suche zu mir auf die Seite, werde ich ihm (primär) den Signup mit seinem Google Account anbieten.
  3. Kommt ein Besucher über Facebook zur mir, bekommt er selbstverständlich (primär) Facebook Connect als Signup angeboten.

Das schöne ist dabei, dass man mit Google, Yahoo, Windows Live, AOL und MySpace – sowie noch einigen anderen Plattformen – wirklich schon einen ganz ordentlichen Batzen an Referrer-Traffic in der Regel „abwickeln“ kann und dann einen entsprechende Möglichkeit zur Identifikation anbietet.

Für mich ist Identität an der Stelle wirklich erstmal König, da man aufbauend auf so einer Identifizierung einiges machen kann und ich mal (nicht empirisch nachgewiesen) behaupten würde, dass ein Nutzer der sich erstmal identifiziert hat, ein größeres Commitment mitbringt und bereit ist weitere Schritte zu unternehmen, als einer der es nicht getan hat.

Welche Plattform hat für mich den größten Multiplikator-Wert?

Was man ohne Umschweife an dieser Stelle aber auch sagen muss ist, dass keine Lösung wie Facebook Connect es so gut versteht auch weiteres Potential mitzubringen.

Nicht nur bekommt man ggf. zahlreiche Daten über den Besucher über Facebook Connect, sondern auch gleichzeitig Möglichkeiten Richtung Facebook wiederum Aktivitäten und Content – auf Wunsch des Users – zu publizieren.

Müsste man hier ein Ranking aufstellen, kämen dann wohl Twitter und MySpace auf Platz 2 und 3, da man auch hier nach der einmaligen Identifizierung prinzipiell Zugriff auf den Social Graph hat, sowie in den Lifestream der jeweiligen Plattform posten kann.

Bei Identity-Providern wie Google, Yahoo und Co. nimmt das Potential dann aber schon enorm ab, da insbesondere auf diesen Plattformen (noch) kein Lifestream vorhanden ist, in den es sich posten lässt.

Identität ist König

Ich persönlich würde (nach dem heutigen Stand der Dinge) Unternehmen prinzipiell folgende Identifikations-Strategie in dieser Angelegenheit empfehlen:

  • Priorität 1: Identifizierung über den Identity-Provider der Referrer-Seite wenn möglich
  • Priorität 2: Identifizierung über Facebook Connect (bringt das größte Potential mit)
  • Priorität 3:  manueller Login/Registrierung

Dieses Ranking sollte dabei auch die Wahrnehmung auf der Seite widerspiegeln. Facebook Connect ist dabei im Moment fest auf Plat 2 gesetzt, da es einfach das meiste Potential mit sich bringt.

Wenn ein Nutzer von Youtube kommt, dieser aber auch einen Facebook Account hat, ist für mich eine Facebook Connect Identifizierung wesentlich mehr wert, als eine über den Google Account.

Um damit zu dem Ausgang des Artikels zurückzukommen: Man sollte aus meiner Sicht die Möglichkeiten zur Identifizierung dynamisch halten und für jeden einzelnen Besucher optimieren, um eine möglichst große Conversion bei der Identitfikation von Nutzern zu erreichen.

Die Diskussion „Facebook Connect vs. OpenID“ ist daher für mich eher überflüssig, nicht zielgerichtet und auch an den Bedürfnissen der User vorbei. Was bringt einem User diese Diskussion, wenn er gar keinen Facebook aber z.B. einen Google, Twitter oder MySpace Account hat?

Ihr Ziel ist es den Besucher überhaupt erstmal zu identifzieren – die Tools sollten dabei für den jeweiligen Besucher optimiert werden. Technologie spielt immer erst im zweiten Schritt eine Rolle und sollte niemals der Aufhänger der Diskussion sein.

In dem Sinne – ich hoffe der Artikel hat Ihnen geholfen die Diskussion besser einzuschätzen und hat Ihnen Anregungen gegeben, wie sie dieses Thema in Zukunft bei sich selbst optimal angehen können.


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8 Comments on “Identität ist König – nicht die Technologie”

  1. 1 Florian Bailey said at 8:33 am on November 17th, 2009:

    So logisch ist das nicht an jeder Stelle, Youtube z.B. hat nur einen geringen Anteil eingeloggter User, Twitter könnte ein ähnliches Problem haben. nur als Anregung.

  2. 2 Thomas R. Koll said at 8:58 am on November 17th, 2009:

    Ich hab bei meiner aktuellen Webapplication mit OpenID angefangen aber inzwischen denk ich mir: Was hab ich mir dabei gedacht… Denn meine Zielgruppe sind ganz klar flickr user und danach sollte man auch immer gehen. Welche Kunden bringen die den größten Vorteil, das meiste Geld etc. Ich bin zwar am überlegen auch noch facebook connect einzubauen, aber es gibt nunmal keine bezahlte pro accounts bei facebook wie es sie bei flickr gibt. Und ein neuer User der schon woanders Geld lässt der ist mir allemal lieber.

  3. 3 Sebastian Küpers said at 9:06 am on November 17th, 2009:

    Danke. Ja da hast Du auch nicht unrecht. Ich sprach daher ja auch von "größeren Chancen" ;) Ich denke wenn man sich mit diesen 3 Login Arten aufstellt – Referrer, Facebook, Native erhöht man auf jedenfall die Chance mehr Identifikationen über Identity-Provider zu bekommen, an denen dann mehr Potential als an der native Registrierung dranhängt.

  4. 4 Sebastian Küpers said at 9:08 am on November 17th, 2009:

    Absolut – generell sollte man auf jedenfall diese Technologien auch im ersten Schritt danach beurteilen, welche Plattformen überhaupt die eigene Zielgruppe nutzt. Ein Blick ins Analytics hilft dabei sicherlich.

  5. 5 @Xelransu said at 10:58 am on November 17th, 2009:

    Natürlich sollte man auf die "Bedürfnisse" der User eingehen. Die Frage ist aber auch der Nutzen! Jemand, der sich per OpenID anmeldet, freut sich vielleicht über den schnellen Login und kommentiert auch etwas. Jemand der sich über Facebook Connect anmeldet bringt aber auch die Möglichkeit mit, Statusmitteilungen über die Webseite zu posten und damit den Social Graph direkt anzusprechen.

    Ich denke daher, dass damit Facebook Connect "wichtiger" als OpenID ist, so lange ein User beides besitzt.

  6. 6 Tim Rombach said at 3:33 pm on November 17th, 2009:

    Es gab auch mal beim OpenWeb-Podcast eine sehr interessante Folge über das Thema.
    http://blog.openwebpodcast.de/

  7. 7 Sebastian Küpers said at 6:12 pm on November 17th, 2009:

    Jepp – steht ja auch fast genau so in dem Artikel :) Facebook bringt auf jedenfall von allen am meisten Potential mit. Daher würde ich es immer mit anbieten – zusätzlich zu der Referrer basierten Option.

  8. 8 Sebastian Küpers said at 6:13 pm on November 17th, 2009:

    Ja der Openwebpodcast ist natürlich bei diesen Themen immer eine Empfehlung wert :) Danke!


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