4 Nutzungsszenarien für Ihr Online-Angebot
Posted: December 14th, 2009 | Author: Jens-Christian Jensen | Filed under: Mobile, Strategie | 1 Comment »Zu Beginn jedes Online Projektes stellt sich dem Entscheider die Frage, wie er sein Web-Angebot gestalten muss, damit er sein jeweiliges Ziel bestmöglich erfüllen kann. In einer solchen ersten Phase wird entschieden, ob ein Online-Shop, ein Blog, eine Portalseite oder vielleicht auch ein WebTV-Sender entstehen soll. In den letzten Jahren bezogen sich diese Entscheidungen automatisch auf ein bestimmtes Nutzungsszenario, nämlich den PC daheim.

Aber genau hier ist es an der Zeit neu zu denken. In der ersten Phase eines Onlineprojektes ist es ebenfalls wichtig zu überlegen, für welches Nutzungsverhalten ein Online-Angebot gestaltet wird. Dieser Artikel soll die heute typischen Nutzungsszenarien vorstellen, welche für die Planung einer Online-Aktivität evaluiert werden sollten.
Szenario 1: Stationäres Web – Der Klassiker
Mitte der Neunziger hat das Internet in den deutschen Haushalten Einzug erhalten. Inzwischen hat die Verbreitung stark zugenommen und über 67 % der Deutschen sind Online. (ARD ZDF Onlinestudie). Der Computer zu Hause wird in unterschiedlichen Situationen genutzt. In den meisten Fällen steht der Computer im Arbeitszimmer auf einem Schreibtisch oder ein Laptop wird in der Küche, im Wohnzimmer oder im Arbeitszimmer spontan aufgestellt. Für die meisten Menschen in Deutschland ist der Computer daheim der einzige Zugang in das Internet. Das bedeutet für die Planung einer Online Aktivität, dass jedes Online Angebot über einen normalen Webbrowser zugänglich sein muss.
Szenario 2: Mobile
Zugang zum Internet bieten seit längerem aber nicht nur der PC zu Hause, sondern auch mobile Geräte, wie Mobilfunkgeräte und Smartphones. Spätestens seit dem iPhone ist klar, dass das mobile Internet, welches schon seit vielen Jahren angeblich stark am kommen war, nun endgültig da ist. Denn das iPhone ist das erste Massenmarkt taugliche Gerät, welches das Internet auch unterwegs mit Spaß benutzbar macht.
Typische Situationen in diesem Nutzungskontext sind zum Beispiel das Reisen mit dem öffentlichen Nahverkehr, das Sitzen auf dem Sofa oder das spontane Zücken in einem Gespräch mit Freunden, um etwas nachzuschlagen oder zu zeigen. Bei einer solchen Nutzung stellt sich bei der Planung eines Online-Angebots die Frage, ob und wie dieses Nutzungsverhalten unterstützt werden sollte, um den größten Nutzen zu erlangen. Aktuelle Smartphones treiben noch einen Aspekt voran, der ebenfalls berücksichtigt werden sollte. Nutzer lernen immer mehr Online Dienste zu nutzen, ohne direkt Websites dafür zu gebrauchen, sondern dafür Applikationen zu nutzen. Folgendes Video ist ein Zusammenschnitt von Apple Comercials für solche Apps.
Der Film zeigt nicht nur Webbasierte Apps, aber es lässt sich sehr gut ableiten, wie solche Apps genutzt werden und wie die Erwartungshaltung der Nutzer an solche ist. Ziel in der Planungsphase eines Online-Angebotes sollte es sein, zu überlegen welche Funktionen sich generell besonders gut eignen, um den Benutzer unterwegs einen größtmöglichen Mehrwert zu geben. Meistens besteht dieser nicht darin das komplette Angebot unterwegs verfügbar zu machen, sondern nur wenige Funktionen. Dann sollte überlegt werden, ob es Sinn macht, diese Funktionen über eine optimierte Website oder ein App anzubieten. Ebay ist ein gutes Beispiel für ein solches App. Während ich über die stationäre Website meinen kompletten Account pflegen, Artikel verkaufen und kaufen kann, bin ich mit Hilfe der Ebay App für das iPhone lediglich in der Lage einen Überblick über “Mein Ebay” zu erlangen, um so eine schnelle Übersicht über die im Moment zu beobachtenden Artikel zu bekommen. Zusätzlich kann der Nutzer noch Gebote abgeben und einfache Suchen ausführen.

Diese App ist ein gutes Beispiel wie die Möglichkeit, dem Nutzer einen schnellen Überblick über sein personalisiertes Angebot zu geben, einen großen Mehrwert in diesem Nutzungskontext darstellt. So ist der Nutzer in der Lage innerhalb von zwei U-Bahn Stationen kurz einen Übersicht zu erlangen. Genau dies könnte ein USP Ihres mobilen Angebotes sein, um den Mitbewerbern voraus zu sein.
Szenario 3: Wohnzimmer
Das Internet auch im Wohnzimmer nutzen zu können, ist grundsätzlich kein neues Thema. Viele Anbieter haben schon versucht in diesem Markt Fuss zu fassen und keiner hat es bisher wirklich geschafft. Im letzten Jahr haben die Hersteller von Fernsehern ebenfalls den Markt betreten und versuchen über Internetfähige Fernsehgeräte dieses Szenario zu besetzen, so wie Philips Net-TV.
Toshiba verfolgt ähnliche Ziele und hat auf der IFA 2009 das Gerät JournE vorgestellt, welches eine Art Tablet PC für den Multimediaeinsatz im Wohnzimmer darstellt.
Diese beiden Modelle sind unterschiedlich ausgeprägt, verfolgen doch das gleiche Ziel. Beide versuchen dem Nutzer im Wohnzimmer die fehlende Interaktivität mit internetbasierten Diensten in einem Lean Back Kontext zu gestatten. Ein klassischer Webbrowser wird auf den Geräten weniger genutzt. Viel mehr entwickelt sich auch auf diesen Geräten ebenfalls eine Art App-Kultur. Der Nutzer hat ein Dashboard, von dem verschiedene Applikationen gestartet werden können, die einen Dienst anbieten, welche für die Interaktion mit der Fernbedienung oder der Hand optimiert sind. In einem App-Store können zusätzliche Applikationen oder auch Content erlangt werden.
Im Moment werden Online Dienste in diesem Nutzungsszenario vielleicht noch eher über den Laptop auf dem Couchtisch genutzt, trotzdem sollte bereits jetzt darauf geachtet werden, ob und wie das eigene Angebot in diesen Kontext passt. Denn es ist damit zu rechnen, dass der Nutzen in diesem Umfeld in naher Zukunft zunimmt. Besonders Lean Back Angebote passen aufgrund des gewohnten Verhaltens gut in dieses Nutzungsszenario und verschaffen so Online Videotheken und anderen multimedialen Content Lieferanten einen interessanten Markt.
Szenario 4: Tablet Computer und Subnotebooks
Gerade im letzten Jahr wird die Lücke zwischen Handy und Laptop weiter mit neuartigen Geräten aufgefüllt. Sowohl Handy-Hersteller, PC-Hersteller und Content Lieferanten versuchen diese Lücke jeweils von Ihrer Seite zu bestücken. Ein interessantes Gerät kommt von The Wonderfactory Inc. und ist ein Prototyp für eine digitale Zeitschrift.
Das Video zeigt sehr gut die Möglichkeiten und Vorteile eines digitalen Interface für den Nachrichtenkonsum. Ob das Gerät, das irgendwann den Marktdurchbruch schaffen wird, nun dieses sein wird, ist fraglich. Trotzdem steht die Frage im Raum, wie sich solche Geräte auf unsere Nutzung von Medien und Internetangeboten auswirken werden und wie sich das wiederum auf die Strategie für Unternehmen auswirkt.
Ein heißer Kandidat, um dieses Nutzungsszenario in ein neues Licht zu stellen, ist das Gerücht, dass Apple in den nächsten sechs Monaten ein Tablet Modell vorstellen soll (Gerüchte zum Apple Tablet auf MacRumors.com). Sollte dies wirklich geschehen, könnte dieses Nutzungsszenario einen starken Katalysator bekommen, der sowohl Nutzer als auch Anbieter animiert dieses Szenario zu nutzen. Grundsätzlich stellt sich dem Entscheider wieder die Frage, ob dieses Szenario unterstützt oder sogar mit einem erweiterten Angebot genutzt werden sollte.
Fazit
Die Nutzung von Inhalten aus dem Internet, gleichgültig welcher Art, hat sich in den letzten Jahren stark geändert. War der Besuch des Internet am Anfang noch ein seltener Akt, ist der Nutzer heute “Always On” und nützt das Internet auf unterschiedlichen Geräten in unterschiedlichen Situation mit unterschiedlichen Zielen. Bei der Planung eines Online-Angebotes spielt nicht mehr länger nur der Mehrwert des Inhaltes oder der Funktion eine Rolle. Nun muss zusätzlich noch beachtet werden, wie dieser gewünschte Mehrwert über die unterschiedlichen Nutzungsszenarien hinweg gestaltet werden muss, oder welche zusätzliche Vorteile die einzelnen Nutzugszenarien bieten. Das Nutzungsszenario ist für jeden Entscheider eine Überlegung wert. Die Szenarios Wohnzimmer und Tablet kommen in naher Zukunft und sollten bereits jetzt genauer betrachtet werden, um rechtzeitig Erfahruzngen zu sammeln.
Guter Artikel. Das wird oft vergessen zu hinterfragen.