Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

5 Wege die Corporate Website mit Social Technologies weiterzuentwickeln

Posted: March 5th, 2010 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Social Media | 9 Comments »

Ich hab in der Vergangenheit schon viel darüber schrieben, dass die Entwicklungen, die wir im Social Web die letzten Jahre gesehen haben, sich auch immer mehr auf die eigene Webseite auswirken werden. Corporate Websites sind keine Silos mehr, in der wir alle unsere Daten und Features reinstopfen, um dann alle Interessenten einzeln ins Silo zu lassen, um sich die Sache mal anzusehen.

Es geht auch auf der Corporate Website in einem zunehmenden Maße darum unsere Websites daraufhin zu optimieren, dass man den dort vorhanden Content mit anderen teilen kann und Features gemeinsam mit anderen benutzen kann.

Darüber hinaus geht es um darum Corporate Websites Dialog orientierter zu gestalten und mit Hilfe aller zur Verfügung stehenden Daten relevanter zu machen und Komplexität zu reduzieren. (siehe dazu auch Adaptives Websites von Markus)

Dieser Artikel führt 5 einfache Ansätze auf, wie man dieses Ziel erreichen kann.

1. Sharing Features

Um die möglichen viralen Effekte im Web besser triggern zu können, sollte man die eigene Webseite daraufhin optimieren, dass ihr Content einfacher verteilbar ist. Die Frage ist: “wie können wir die Webseite weiterentwickeln, damit Besucher ihren Kontakten möglichst einfach mitteilen können: ‘hier schaut euch das mal an’?”

Das Interessante ist daran, dass dies nicht nur Aufmerksamkeit und Traffic erzeugt, sondern dieser Traffic auf Grund der erhöhten Relevanz – hier handelt es sich um die Empfehlung eines Kontaktes – sehr loyal und qualitativ hochwertig sein kann.

Hierfür gibt es zwar kostenlose Tools wie z.B. http://www.addthis.com/ – aber ich würde empfehlen eine wesentlich individuellere und auf den Einzelfall optimierte Lösung anzustreben. Man sieht zwar immer häufiger die Einbindung solcher Tools – gerne mal ganz unten auf einer Seite – aber wenn man wirklich will, dass Leute dieses Features auch intensiv nutzen und damit den eigenen Content weiter verteilen, sollte man hier wesentlich individuellere Lösungen suchen.

2. Verknüpfung mit Social Networks

Sollten Sie bereits Präsenzen auf Social Networks wie z.B. Facebook haben, sollte man darüber nachdenken wie man diese enger miteinander verknüpft, so dass beide Seiten besser zusammenspielen können. Hierfür gibt es z.B. Widgets von den Social Networks, um eine Verbindung herzustellen – hier auf dem Blog zum Beispiel rechts das Fan-Widget, wo man nicht nur sieht wie viele Fans wir auf Facebook haben, sondern man auch sieht, was auf Facebook gerade passiert.

Der Punkt ist: es sieht in der Regel nicht sehr schön aus und lässt sich nur bedingt elegant integrieren ;) An manchen Stellen sehe ich da aber trotzdem Möglichkeiten nutzbringende Lösungen zu finden, bzw. sollte man auch etwas in die Zukunft blicken und sich auch darüber im klaren sein, dass Entwicklungen wie z.B. die Open Graph API von Facebook vor der Tür stehen, mit der diese Verknüpfungen immer eleganter möglich werden.

3. Authentication

Alle großen Internet Firmen wie z.B. Google, Yahoo, Microsoft, Facebook, MySpace und AOL – als auch zukünftig verstärkt lokale Platzhirschen  - bieten die Möglichkeit an, dass sich Nutzer mit ihrem z.B. Facebook Account auf ihrer Webseite einloggen, um …

  • sich im Sinne von Single-Sign-On sehr unkompliziert anmelden zu können
  • ihre Identität einfach ohne erneutes ausfüllen von Formularen mitzunehmen
  • die Information über ihren Social-Graph mitnehmen zu können
  • Aktivitäten auf ihrer Webseite einfach an ihre Kontakte auf Facebook zurückspielen zu können

Diese Technologien sind in meinen Augen der Schlüssel zur Veränderungen auf der eigenen Seite und bieten viele Ansätze, um zu optimieren. Zum Beispiel kann die Conversion in der Anmeldung steigen, da es schlichtweg einfacher ist, ihre Seite kann auf Basis der Daten besser personalisiert werden und der Punkt 1 “Sharing” kann noch mal weiter vereinfacht und optimiert werden.

Mit diesen Technologien bringt man auf einmal einen ganz Schwung “Social Technologies” mit auf die Corporate Website, die geschickt genutzt werden sollte.

4. Social Personalisation

Authentication ist die Grundlage für diesen Ansatz. Wenn es genügend Anreize gibt sich auf ihrer Webseite zu identifizieren und seinen Social Graph mitzubringen, eröffnet dies in Zukunft weitere Personalisierungsmöglichkeiten auf Basis dieser Daten.

Was haben auf dieser Webseite meine Freunde für interessant befunden? Was haben meine Freunde evtl. kommentiert oder mir empfohlen zu tun? Was sagen gerade meine Freunde zu dieser Marke, diesem Produkt irgendwo im Web? Wer ist Fan dieser Seite?

Vieles von dem was hier heute noch isoliert auf Facebook und Co. zu sehen ist,  kann auch auf der Corporate Website stattfinden und dadurch vor allem Relevanz fördern. Hier sei allerdings darauf hingewiesen, dass ich da noch die eine oder andere Datenschutz Hürde sehe :)

5. Real-Time Aggregation

Um so mehr man ausserhalb der eigenen vier Wände macht, um so mehr geht es auch wieder darum, diese Aktivitäten an einem Ort zu aggregieren. Man mag hier sofort an den Social Media Newsroom denken, aber das ist für mich ein viel zu starr gedachter fixer Bereich auf einer Webseite – irgendwo in Richtung Pressebereich verortet.

Ich denke dass Aggregation von (Echtzeit-) Daten an ganz vielen unterschiedlichen Stellen einer Webseite stattfinden kann und besonders dann gut funktionieren wird, wenn sie intelligent und Nutzen stiftend integriert wird. Ein Beispiel wäre die Integration von Videos, Fotos, Präsentationen oder auch Blog Artikel Dritter zu einem einzelnen Produkt direkt auf der Produktseite.

Wir brauchen stark vernetzte Corporate Websites

An dieser Stelle brechen die alten Silos wirklich auf und es geht darum die eigene Präsenz mit dem gesamten Web geschickter zu verweben. Es geht darum die Webseite dahingehend zu optimieren, dass Inhalte und Features weiter verteilt werden und es geht darum, dass Aktivitäten im gesamten Web auch wieder aggregiert werden sowie Besucher mehr sozialen Kontext auf der Webseite erfahren.

Ich ziehe an dieser Stelle auch gerne die Baum-Metapher heran. Früher hatten wir recht verschlossene, isolierte Silos – morgen brauchen wir tendenzielle eher weit verästelte blühende Bäume, die ihre Fühler ins gesamte Web ausstrecken und atmen.



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9 Comments on “5 Wege die Corporate Website mit Social Technologies weiterzuentwickeln”

  1. 1 Tobias said at 7:14 am on March 5th, 2010:

    Sharing/AddThis: Hast du Zahlen/Erfahrungen, dass diese Links wirklich genutzt werden? Ich bin sehr skeptisch, ob sie nicht einfach visueller Müll sind (im schlimmsten Fall).
    Wir sammeln gerade Zahlen für einen http://www.uxzentrisch.de Artikel aber habe noch keine ergebnisse…

  2. 2 Sebastian Küpers said at 7:36 am on March 5th, 2010:

    Ich denke, dass wenn man diese Addthis Tools und Co. verwendet, das wirklich schnell visueller Müll wird und auch nicht gut genutzt wird.

    Viele kleine Buttons irgendwie versteckt, am besten noch mit aufklappen und Co. werden es vermutlich nicht bringen.

    Platzierung, Größe, Reduktion auf wenige relevante, Angespasstes Design und enge Verknüpfung an den Content, ganz einfache Benuztbarkeit sind sicherlich alles Faktoren, die die Nutzung der Share-Funktionen stark optimieren.

    Ansonsten gibt es natürlich ein paar Zahlen von Addthis auf deren Seite http://addthis.com/services

  3. 3 Philipp said at 9:44 am on March 5th, 2010:

    Also was ShareThis/AddThis angeht stimme ich euch beiden zu. Von der Funktion sicherlich sehr interessant, optisch jedoch sehr hässlich und nur nervig. Mir fällt spontan keine Seite ein, die dieses Modul visuell schön eingebunden hat. Aus dem persönlichen Umfeld fallen mir hier nur negativ Beispiele auf, wo dieser Button kaum verwendet wird.
    Wenn man sich auf Facebook/Twitter/Google beschränkt, finde ich die einzelnen Share-Module interessanter und optisch schöner. Zudem erhält man ein zeitnahes Tracking durch die optische Anzeige der Tweets,Facebook Shares,etc..
    Soziable find ich für Wordpress auch noch ganz ansehnlich, geht aber schnell in den Bereich AddThis-Spam, wenn man hier jedes verfügbares Netzwerk auswählt. Zudem verfügt es über kein ausreichendes Trackingsystem.

    Ich glaube das Problem ist hier Budget vs. Funktionalität/Optik.
    AddThis und Co sind kostenlos, funktionieren und sehr leicht einzubinden. Individuelle Lösungen sind natürlich kostenintensiver, dafür dann aber auch passender.

  4. 4 Tocki said at 12:43 pm on March 5th, 2010:

    Ach komm, diese Share-Dinger sind doch nur, damit sich die Kunden auf die Schulter klopfen können, weil sie jetzt auch "dieses Social Media machen".
    Jeder der einen Bookmarking Service oder sowas nutzt verwendet das Bookmarklet des Anbieters, oder hat sonst ein Tool.

    Ich finde die Verknüpfung mit den Social Media Aktivitäten des Website-Betreibers am wichtigsten. Und elegante Lösungen werden da schon auch zu finden sein.

  5. 5 Reinhard said at 3:01 pm on March 5th, 2010:

    Irgendwie schwebt immer noch Peer-to-Peer durch meine Gehirnwindungen, Napster war damals gar nicht so schlecht, wurde leider mausetot 'geprügel'. ;-)
    Doch in wirklich freier Kooperation stelle ich meins {Wissen, Ideen, Zumutbarkeit ;-) ) einfach in den Raum, d.h. auch meine 'Festplatte'.
    Nun ja, im Moment gruselt es mich noch, wenn ich da alle angstvollen Möglichkeiten betrachte.

    Vom Server Hosting würde ich wegwollen, denn Server sind immer auch besitz- und kontrollierbar. Der neuronale Gedanke geht beim Server auch verloren.

    Evtl. bietet Cloud Computing da Entwicklungsmöglichkeiten; falls dies nicht wieder nur auf eine kommerzielle Schiene gedrückt wird.

  6. 6 Carsten said at 3:55 pm on March 5th, 2010:

    Hallo und vielen Dank für den Beitrag. Ich finden den Gedanken auch spannend, künftig z.B. facebook connect einzusetzen. Dennoch sehe ich als „Laie“ auch gewisse Risiken welche mir ein eindeutig positives Urteil verbieten.

    Facebook sucht bis heute nach nach einem wirklich tragfähigen Geschäftsmodell. Könnte man dann nicht in die Versuchung geraten, zu schauen welche Dienste gut laufen und diese Dienste integrieren?
    Für meine Fans würde das bedeuten, dass sie nicht extra auf meine Seite gehen müssten und dennoch den gleichen Service bekämen. Ich stell mir nur das Beispiel google vor… Man könnte auswerten was gut läuft (z.B. anhand der maps- API) und dann zum Beispiel Immobilien über maps anbieten und den Dienst „Maps“ dann für die Konkurrenz kostenpflichtig machen. Auf einen Schlag hätten viele Seitenbetreiber ein Problem.

    Das erinnert halt Alles ein wenig an das Prinzip nach J.D. Rockefeller „Öllampen verschenkten mit dem Ziel, das Öl für die Lampen (in Konkurrenz zu den damals üblichen Talgkerzen) zu verkaufen.

  7. 7 Sebastian Küpers said at 5:56 am on March 6th, 2010:

    Hehe – hab es auf jedenfall auch schon einige mal erlebt, dass man mir gesagt hat, man hätte jetzt in die Webseite auch Social Web Features eingebaut und meinte damit diese Button Leiste ;)

    Ja ick sehe schon – wir sollten da mal ein paar Zahlen in einem nächsten Projekt gezielt erheben/veröffenltichen nach Möglichkeit :)

  8. 8 Sebastian Küpers said at 6:03 am on March 6th, 2010:

    Ja ich glaube es könnte auch durchaus sein, dass Facebook plant Facebook Connect irgendwann irgendwie für den Betreiber kostenpflichtig zu machen, sobald es darum geht die Daten zu nutzen. Gibt dann vielleicht immer noch die Basisfunktionalität kostenlos, aber für manches soll man dann zahlen.

    Bei der App Plattform ist es letzten Endes ja ähnlich gelaufen – da hat man später auch versucht den Erfolg der Plattform zu monetarisieren.

  9. 9 @mksm said at 11:06 am on March 7th, 2010:

    Ich habe bisher keine Studie zwar gesehen und es wäre sicherlich interessant, welcher teil der Internetnutzer überhaupt twitter/facebook nutzt, um etwas zu verbreiten. Ich tue das und ein oder anderes Mal habe ich einen Twitterbutton gesucht, um schnell was an meine Buddies weiterzuleiten. Das Internet ist ein Medium, in dem man trotz allways-on modus extrem schnell unterwegs ist. Eine Sekunde kann entscheidend sein. Dann habe ich erstens keine Lust twitter.com oder TweetDeck aufzumachen (warum auch immer) und ich will nicht noch eine Nachricht/Überschrift dazu schreiben oder zu kopieren. Wie gesagt, man handelt sekundenschnell, ein Button, zack, getwittert, weitergeht's.
    Allerdings finde ich, dass die Einschränkung auf 2-3 Dienste sinnvoll wird, der Rest wird sowieso kaum genutzt, The Long Tail hin oder her.


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