Aktuelle Entwicklungen im Web der Gegenwart und die daraus folgenden Implikationen für die Strategien der Zukunft.

Was ist ein Lead im Social Web und wie verfolge ich ihn sinnvoll?

Posted: December 12th, 2009 | Author: Sebastian Küpers | Filed under: Social Media, SocialCRM | 9 Comments »

Ich habe mich die letzten Monate immer häufiger mit exakt dieser Frage beschäftigt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Kunden die ich berate stellen sich diese Frage. Insbesondere diejenigen, deren Schwerpunkt das “Customer Relationship Management” ist.

CRM ist ein weites und komplexes Feld und wird häufig im Kontext von Social Media als Bereich angeführt, für den es besonders interessant sein sollte, sich näher mit der Materie zu beschäftigen.

Und das stimmt :)

Die Herausforderung liegt allerdings darin, dass für die allermeisten CRM-Verantwortlichen die Lead-Generierung bisher in den eigenen vier digitalen Wänden stattfindet und vor allem darauf aufbaut, dass eine Person ein Formular ausfüllt und wenigstens eine Email-Adresse angibt.

Aber sollte man nicht jede Äußerung einer Person im Netz zu dem eigenen Produkt oder der Marke als potentieller Lead begriffen werden, den es gilt weiter zu qualifizieren und aufzubauen?

Ist jemand der einer Marke auf Twitter oder Facebook folgt nicht ein wahnsinnig guter Lead, um den man sich kümmern sollte?

Ich denke schon – die Frage ist allerdings: wie?

MissKitty666 ist doch kein ernst zunehmender Lead für mich!

So oder so ähnlich denken sicherlich viele. Solange man keinen realen Vor- und Zunamen, keine Email-Adresse und im schlimmsten Fall sogar keine vollständige valide Postadresse von einem Kunden hat, greift die etablierte CRM-Maschinerie einfach nicht und man tappt im Dunkeln.

Aber warum? Bei MissKitty666 kann es sich durchaus um eine zahlungsfähige Kundin im Erwachsenenalter handeln, die ohne weiteres bereit wäre mit ihrer Kreditkarte im Internet zu bezahlen und ordentlich Umsatz generieren könnte.

MissKitty666 könnte auch durchaus viele Freundinnen mit ähnlichen Interessen haben, die sich ebenso für einen Online-Kauf begeistern lassen würden. Insbesondere dann, wenn MissKitty666 Ihnen dieses Produkt empfehlen würde.

Damit MissKitty666 sich dazu entscheidet einen Kauf zu tätigen, brauchen Sie von ihr weder den realen Namen, noch einen Email-Newsletter oder gar eine Postwurfsendung.

Viel wichtiger wäre es eine Beziehung zu MissKitty666 aufzubauen, diese Persona als ernst zunehmenden Lead zu begreifen und diesen Lead mit den Mitteln weiterzuverfolgen, die zur Verfügung stehen, bzw. auch Trichter in petto zu haben, die Anreize schaffen aus der Persona MissKitty666 eine reale Identität werden zu lassen!

Schritt 1: Lead Verständnis überdenken

In einem ersten Schritt sollte man sich genauer Gedanken darüber machen, was im Web alles als Lead begriffen werden könnte und dabei sollte man bewusst die eigene Webseite und Landing-Pages verlassen und übelegen auf welche Art und Weise Personen noch im Web den Wunsch bekunden können, dass sie ein Interesse an den eigenen Produkten und Dienstleistungen haben.

Folgende Aktionen sind für mich klare erste Leads:

  • Ein Fan auf Facebook werden
  • Ein Subscriber auf Xing werden
  • Ein Follower auf Twitter werden
  • Ein Abonnent auf Youtube werden

Das alles sind doch erste Anzeichen, dass es dort eine Person gibt, die ein offensichtliches Interesse an meiner Marke oder Produkt hat. Das hat letzten Endes mindestens den gleichen Stellenwert, wie wenn ich das Häkchen setze, um den Email-Newsletter zu bekommen oder wenn ich mir aktiv eine Broschüre im Web bestelle.

Nur werden diese Leads im Moment noch von niemanden wirklich systematisch und intelligent verfolgt!

Darüber hinaus gibt es auch schlichtweg Äußerungen auf diesen Plattformen, die ein Interesse an der eigenen Marke und ihren Produkten anzeigen können.

tweetnivea

Jemand der von sich aus über meine Marke und mein Produkt im positiven Sinne spricht, sollte von meinem Monitoring auf jedenfall erkannt und von der eigenen CRM-Maschinerie zumindest registriert werden.

Ich würde daher – gerade im Rahmen eines Social Media Monitoring Projektes – empfehlen unbedingt darüber nachzudenken, wie man in Zukunft mit obenen genannten Aktionen und Äußerungen umgeht, um daraus auch ein Potential für das CRM schaffen zu können.

Schritt 2: Trichter schaffen, um Leads zu vertiefen

Die Frage ist jetzt natürlich, wie man mit einer solchen Äußerung umgehen sollte? Eine Email-Adresse oder Postanschrift haben wir nicht. Die Möglichkeit eine Direktmessage zu schicken hätten wir nur, wenn er auch einem Nivea Twitter-Account folgen sollte.

In meinen Augen sollte es Ziel sein einen solchen Lead zu vertiefen und Möglichkeiten in petto zu haben, wie man einen solchen Lead weiter qualifizieren und die Beziehung zur Marke festigen kann.

(Hinweis: dass ich jetzt hier Nivea als Beispiel anführe ist übrigens reiner Zufall! Nivea ist kein Kunde von mir, noch habe ich das Hintergrundwissen, um beurteilen zu können, um das Nivea Beispiel hier jetzt sehr stimmig ist)

Ihm einen Link direkt zukommen zu lassen, der ihn einfach auf die Nivea Produktseite führt, würde ich jetzt für einen zu plump gedachten Ansatz erachten. Den Link hat er vermutlich schon längst gefunden, da er ja angekündigt hat, nach dem Produkt zu googeln.

Aber wie wäre es, wenn man ihn auf eine Art “Nivea Dialog Plattform” schickt, für den Fall dass er noch weitere Fragen hat?

@beispieltweet Haben Sie noch Fragen zu Nivea, die Google nicht beantworten konnte? Wir geben Antworten: http://nivea.com/dialog/2k23

gesendet von @nivea_kundenservice.

Bei Klick auf die URL – die möglichst klarmachen sollte, dass man eben nicht auf die normale Webseite kommt – landet er auf einer speziellen Seite von Nivea, die genau für die Vertiefung solcher Leads im Social Web geschaffen worden ist. (hätte ich mehr Zeit, hätte ich bestimmt einen Wireframe gebaut)

Diese Seite weist in meinen Augen vor allem drei wesentliche Bausteine auf:

1. Dialogbereich

Der Tweet von ihm und die von Nivea formulierte Antwort wird nochmal abgebildet und man hat sehr offensichtlich ein tpyisches Kommentarfeld, mit dem er auf der Seite den Dialog auf Wunsch fortführen kann. Der Charakter des Kontextes aus dem er kommt, sollte erhalten bleiben!

Um den Dialog fortzuführen, kann er sich einfach wieder mit seinem Twitter-Account authentifizieren. Damit geht der Dialog auch nicht verloren, sondern bleibt – wenn gewünscht – sichtbar auf Twitter oder anderen Plattformen.

Das Problem, dass solche Dialoge dann auch seitens des Unternehmens abgebildet werden können müssen, sei jetzt erstmal dahingestellt. Mir ist hier wichtig, den Dialog auf eine Plattform zu ziehen, die seitens Nivea gestellt wird und mehr Möglichkeiten bietet, diesen Lead sinnvoll weiterzuverfolgen.

2. Subscription Bereich

Dem Besucher sollte ebenso ein Angebot gemacht werden, wie er in Zukunft auf verschiedenen Plattformen mit Nivea in Kontakt bleiben kann. Wir alle kennen solche Buttons von unseren Blogs und das sollte man für Unternehmen weiterdenken.

Wir können ihm anbieten auf Twitter, Facebook, Xing, Youtube und vielen anderen Plattformen der Marke zu folgen und sollten klar kommunizieren, was er davon hat. Gibt es z.B. besondere Angebote über diese Kanäle? (trifft bei Nivea eher weniger zu, aber mal generell gesprochen)

Selbstverständlich kann man ihm auch das Angebot unterbreiten per Email oder sogar über den Postweg auf dem laufenden zu bleiben, um an dieser Stelle die Verbindung zu den klassischen CRM-System herzustellen.

Letzten Endes ist das der wichtige Bereich für uns, um aus der Äußerung einer Person, die unser Monitoring erfasst hat, schonmal einen Subscriber der Marke zu machen, so dass wir ab dem Zeitpunkt wissen, dass er häufiger unsere Botschaften empfangen wird und somit die Beziehung zur Marke online ein kleines Stück weiter gefestigt haben.

3. Related Content

Darüber hinaus sollte er auf der Seite auch Links/Teaser zu sinnvollem related Content erhalten. Nivea hat z.B. diverse Online-Tools zur Produktberatung, Tipps zur Anwendung von Produkten, es gibt vielleicht lustige oder spannende Videos zu Produkten auf Youtube (von Nivea oder Kunden) und vieles mehr.

Jeglicher “related Content” sollte dabei kommentierbar sein und die Möglichkeit bestehen, dass Besucher Links zu diesen Inhalten widerum posten können.

Soweit – sogut.

Was wir hier gemacht haben ist eine Plattform – oder meinetwegen “Social Landing-Page” – zu schaffen, die den Charakter der ursprünglichen Plattform beibehält, aber uns mehr Möglichkeiten bietet den Lead sinnvoll online weiterzuverfolgen.

Wir erhalten den Dialog-Charakter aufrecht, bieten Möglichkeiten auf diversen Plattformen der Marke zu folgen, können Anreize schaffen, dass aus eher verschleierten Personas reale Identitäten werden, kreieren Relevanz indem wir auf verwandten Content hinweisen und bieten zahlreiche Mechanismen, damit der Besuch dieser Seite und Aktivitäten dort an die Freunde des Besuchers kommuniziert werden können.

Lange Rede, kurzer Sinn

Das ganze war jetzt nur ein Beispiel, was sich auf den Twitter-Case bezog, aber durchaus auf viele weitere Plattformen im Social Web adaptiert werden kann.

Ich wollte damit versuchen zu verdeutlichen, dass man a) sein Verständnis von Leads im Social Web überdenken sollte und dass man b) noch einfach neue Mechanismen und Ansätze braucht, um solche Leads auch wirkllich sinnvoll und erfolgreich nachverfolgen zu können.

Ich denke mit dem einfachen Verlinken hin zu klassischen Einstiegspunkten (Formulare zur Bestellung von Infomaterial, Teilnahme für Gewinnspiele etc.)  ist es zumindest im ersten Schritt nicht getan und wir brauchen einen Trichter, der zumindest diesen von mir skizzierten ersten Zwischenschritt aufweist.

Da wird sicherlich noch viel spannendes in Zukunft passieren ;)


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9 Comments on “Was ist ein Lead im Social Web und wie verfolge ich ihn sinnvoll?”

  1. 1 Martin Gaedt said at 5:25 pm on December 12th, 2009:

    Enter text right here!

  2. 2 Sebastian Wohlrapp said at 12:26 pm on December 13th, 2009:

    Aus meiner Sicht ist hier das Thema Marketing Automation gefragt. Der Funnel wird am vorderen Ende länger (neues Lead-Verständnis) und somit breiter. Die Frage ist doch, wie kann ich die Qualität der Leads an der Stelle im Funnel erhöhen, sodass ich mit dem gleichen personellen Sales-Aufwand mehr Conversion erreiche. Marketing Automation macht genau das: Einen Teil des Funnels und die Qualifizierung von Leads über Zeit automatisiert sicherstellen. Details zum Beispiel hier: http://www.onestepbeyond.ch/Wie_wir_helfen_konnen...

    Grüsse
    Sebastian

  3. 3 Sebastian Küpers said at 12:58 pm on December 13th, 2009:

    Das Thema Automation spielt auf jeden Fall eine nicht unerhebliche Rolle bei dem ganzen Thema, da gerade die Skalierbarkeit von Aktivitäten im Social Web ja immer wieder eine Herausforderung darstellt und es genau um diese Fragestellung gehen muss!

    Ich hab mich jetzt nicht intensiv mit dem Angebot des verlinkten Unternehmens beschäftigt, aber ich bin mir sicher, dass in dem Bereich schon viel passiert und noch passieren wird.

  4. 4 gchensel said at 11:27 am on December 14th, 2009:

    Sehr richtiger Gedanke, wie ich finde. Natürlich in der Tat sehr schwer umzusetzen, weil realpolitisch andere Anforderungen an Leads gestellt werden. Das Gros aller Leads fokussiert halt immer noch "klassische" Werbemaßnahmen. Deine Idee wird sich mittelfristig sicher durchsetzen. Fraglich ist natürlich trotzdem, was man überhaupt noch in einer sich so schnell ändernden Welt als "Adresse" definiert und ob der komplett fragmentierte virtuelle User irgendwie im Sinne einer Unternehmensdatenbank wieder rekonstruiert werden kann und muss.

  5. 5 @andrezulley said at 3:08 pm on December 14th, 2009:

    Großes Thema! Sehr schöner Beitrag, Danke. Denke, dass es die Mischung zwischen Sammeln, Filtern, Pflegen und Umdrehen kombiniert in persönlicher Ansprache und Automatisierung macht – wichtig ist es, vorher die richtigen Kriterien zu definieren und zu wissen, bei wem es "den persönlichen Kontakt wert" ist (z.B. "wie schnell kauft mein Lead?"). Mit Automatismen kann ich mir Leads warm halten oder aufwärmen, je nach Klassifizierung.

    Dass es kein allgemeingültiges Rezept für Unternehmen gibt, ist klar – und gut so, das hält die Sache schließlich spannend :-)

  6. 6 @Franz said at 4:29 pm on December 16th, 2009:

    Technisch trägt salesforce.com dem schon lange Rechnung. Man hat die Möglichkeit auch genau diese Kittylinks als Lead zu nutzen. Ohne jetzt Werbung machen zu wollen: Bei denen hat man die Wichtigkeit erkannt und hat das voll in die Produkte und den Workflow eingebaut: http://bit.ly/65E7VB Ich war letztens (auf Einladung) zu der jährlichen Konferenz von denen in den USA und war von den Demos wirklich beeindruckt.

  7. 7 Sebastian Küpers said at 4:48 pm on December 16th, 2009:

    Hey Franz – Salesforce macht da wirklich schon sehr viel – es beschränkt sich aber darauf, dass Du aus Salesforce heraus solche Tweets findest, direkt beantworten kannst und daraus einen "Case" innerhalb von Salesforce schaffst.

    Für Facebook gibt es eine App, die man z.B. auf der eigenen Page integrieren kann.

    Die Seite bzw. den Prozess den ich in dem Artikel skizziert habe geht aber noch ein paar Schritte weiter. Ich gehe aber auch fest davon aus, dass dieser Trichter von CRM-Anbietern in Zukunft unterstützt werden wird und wir dort immer bessere Lösungen bekommen werden.

    Wie wir oben schon diskutiert haben, ist da aber sicherlich das Thema "Automation" – zumindest bis zu einem gewissen Grad – nochmal wichtig, um wirklich eine skalierbare Lösung zu bekommen.

    Ich denke in Summe muss der Ansatz noch wesentlich "generalistischer" gedacht werden. Nur mit Twitter und Facebook ist es ja auch nicht getan ;)

  8. 8 Martin Meyer-Gossner said at 5:02 pm on December 16th, 2009:

    Interessante Gedankengänge, die prinzipiell einen Trend setzen und richtig sind. Allerdings zeigt mir die Arbeit der letzten Jahre mit IT-Kunden, daß selbst klassische Lead-Generierungs-Taktiken (Inbound Marketing) über die Homepage noch viel Potential zur Optimierung bietet. Wenn von einer Lead-Generierungskampagne die Rede war, stelle ich immer eine Frage. Wie definiert das Marketing ein Lead und wie das Salesteam? Die entwaffnet meistens… Im Social Web sollte man meiner Ansicht nach von Engagements oder sozialen Aktivitäten sprechen. Und die müssen im Sales-Funnel gehört werden…

  9. 9 rainwebs said at 1:43 am on December 30th, 2009:

    Bin zwar kein Fachmann, aber ich stelle mir schon die Frage, wie Automation hier weiter helfen soll? Die direkte Ansprache mit persönlichem Eingehen auf die Belange eines solchen "Twitter" Leads scheint mir der einzige Weg, überhaupt eine langfristige Beziehung aufzubauen. Alles andere sieht sonst sofort nach Spam für ihn aus.

    Selbst wenn ich an den Produkten interessiert bin, heißt das ja noch lange nicht, daß ich auch das Unternehmen cool finde, nur weil es mir automatisierte Nachrichten zukommen läßt. Andererseits würde mich solch ein Verhalten dazu bringen können, doch einen Mitbewerber auszuwählen. Da es meist sowieso nur um die emotionalen Bestandteile einer Marke und nicht um deren Qualität geht, geht das ganz schnell.


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